464 Das römisch-dcutschc Reich in den beiden nächsten Jahrhunderten
Orchan und gab demselben eine seine Töchter zur Frau. Doch fernereBeunruhigung erwuchs ihm anS den Angriffen der in der Vorstadt Ga-lata befestigten Genuesen, gegen die er sich mit den Venetianern ver-band, ohne diesen durch seine Hülfe erheblich nützen zu können. Auchgegen seinen Mündel, den er sich durch Vermählung mit einer seinerTöchter hatte verbinden wollen, mußte er noch einmal kämpfen, da diesersich seiner Herrschaft entziehen wollte. Als er Orchanö Hülfe gegen ihnanrief, zwang ihn im Jahre 1355 der Unwille des Volkes zur Ab-dankung. Den Osmanen war nun um so mehr der Weg nach Europagewiesen, als durch die Verbindung mit Constantinopel ihnen ein Einblickin die Schwäche der dortigen Herrschaft geworden war. Wie sehr aberin Europa besonderer Vortheil die Sorge für das Wohl der Christen-heit überwog, zeigt sich an der kleinen Republik Ragusa, die in demBedürfnis', gegen Vcnetianer und Ungarn gesichert zu sein, den Schutzdes osmanlschcu Herrschers erkaufte. Noch vor Orchans Tode wurdenthracischc Städte, darunter das durch seine Lage wichtige Gallipoli, ein-genommen. Orchans Sohn Murad (1359 —1389) ist der Begründerder osmanischen Macht in Europa. Eine blutige Grausamkeit ver-breitete Schrecken vor den Osmanen her, und eine verruchte Staatskunstbefestigte ihre Herrschaft. Murad eroberte alle Länder bis zum Hämus,so daß Constantinopel ganz vereinzelt wurde. Seit dem Jahre 1361war Adrianopel osmanischer Herrschersitz. Seine nächsten Feinde be-standen aus den im Norden zwischen dem oftrömischen und dem ungari-schen Reiche wohnenden Völkern. Diese waren außer den Bulgarendie Servier, die sich nach Süden tief in das Reich ausgedehnt, dieBosnier, die sich von den Serviern abgesondert und im Westen der-selben ein besonderes Reich gestiftet, die Walachen, die außer dem nachihnen benannten Lande auch die nordöstlich davon gelegene, früher denRumänen gehörige Moldau besetzt und so den Grund zu zwei Staatengelegt hatten. Es war vergebens, daß König Ludwig der Große dieseVölker im Kampfe gegen die Osmanen unterstützte. Diese legten denServiern und Bulgaren die Verpflichtung von Abgaben und Kriegs-hülfe auf. Ein Versuch, sich dieser Abhängigkeit zu entziehen, hatte fürdie Servier im Jahre 1389 die Niederlage bei Kofsova unfern Priftinazur Folge, nach welcher Murad, der eine tödtliche Wunde erhalten, nochvor seinem Tode ihren gefangenen Fürsten oder Kral vor seinen Augenniederhauen ließ. Bulgarien ward nun in eine türkische Provinz ver-wandelt. Auf Murad folgte sein Sohn Bajazet. Von diesem warendie Kaiser schon ganz abhängig. Ein Streit, in welchen Kaiser Johannesdurch Bevorzugung seines jüngeren Sohnes Manuel mit dem älteren,Andronikus IV., gerieth, war durch türkisches Eingreifen geschlichtetworden. Andronikus, der in Folge dessen die Strafe der Blendung