462 Das römisch-deutsche Reich in den beiden nächsten Jahrhunderten
stimmung Ansprüche auch auf dieses Land, das nach Jobsts Tode wirk-lich an ihn überging. Zwar blieb die geschlossene Ehe kinderlos, undwährend Brabant an Antons Sohn erster Ehe und nach dessen Todeim Jahre 1427 an seinen Vetter Philipp den Guten, Sohn Johannsdes Unerschrockenen, überging, kam Luxemburg noch einmal an eineVerwandte des luxemburgischen Hauses, Sigismunds Tochter Elisabeth,Gemahlin des Herzogs Albrecht V. von Oestreich. Doch öffnete sieselbst dem burgnndischen Einflüsse das Land, indem sie Philipp den Gutenzum Verweser bestellte, dem auch sowohl sie, als der Gemahl ihrerTochter, Wilhelm von Sachsen, ihre Ansprüche abtrat, worauf das Landim Jahre l443 von den Burgundern besetzt wurde. Im Jahre 1433kamen auch die dem wittelsbachischen Hause gehörigen Theile der Nie-derlande an Burgund, da Jakobäa, mit welcher die dortige wittels-bachische Linie erlosch, ihre Lande an Philipp den Guten, den Sohnvon ihres Vaters Schwester Margaretha, der Anwartschaft auf dieLande hatte, noch bei ihren Lebzeiten verlor. Derselbe hatte schonvorher die Grafschaft Namnr gekauft. So waren mit Ausnahme dergeistlichen Gebiete dem Reiche auf der linken Seite des Rheines vondem ehemaligen niederlothringischen Herzogthume nur noch die Herzog-thümer Jülich und Geldern und eine Anzahl von Grafschaften, worunterCleve die bedeutendste war, übrig geblieben, und ein französischer Vasallhatte sich auf Kosten Deutschlands zu einer Macht erhoben, die ihn vonaller Abhängigkeit seinem Lehensherrn gegenüber befreite.
35. Zur Zeit, da Europa durch die in vielen Kreisen regsamenBestrebungen um Bildung neuer Staaten zerrissen war und ein ver-wickeltes Getriebe habsüchtiger Staatskunft alle Kräfte in Anspruchnahm, kam von Asien ans der neue Sturm, der das Reich des Islamnach Europa erweitern, das oströmischc Reich vernichten und eine An-zahl anderer Reiche für lange Zeit in Noth versetzen sollte. Als unterden Schlägen der Chowarcsmier und der Mongolen das kleinasiatischeReich der Seldschnken znsammenbrach, löste es sich in eine Anzahl vonkleineren Fürftenthümern auf. Unter diesen wurde eines die Grundlagefür die spätere Hauptmacht des Islam. Schon vor- der Mitte desdreizehnten Jahrhunderts war ein türkischer Stamm, den seine Wande-rungen bis nach Kleinasien geführt, für geleistete Dienste von dem seld-schukischen Sultan in dem alten Galatien um Ancpra oder Angora an-gcsiedelt worden, und der Führer, Ertogrul, hatte die Belehnung miteinem weiter westlich in Bithynien gelegenen Gebiete erhalten. Nachseinem Tode im Jahre 1288 wurde unter seinen Söhnen Osman, nachwelchem der Stamm den Namen der Osmancn erhielt, und dessen Lebenin der Folge durch Erzählung von Heldenthaten reich ausgeschmücktwurde, der eigentliche Begründer der neuen Macht. In die Zeit seiner