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2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
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460 Das römisch-deutsche Reich in den beiden nächsten Jahrhunderten

heiligen Lande der eigentlichste Schauplatz für die Thaten des Ordensverloren gegangen war, verlegte der Hochmeister seinen Sitz, nachdemer ihn bis zum Jahre 1309 in Venedig gehabt, nach dem Lande, woseine Macht eine feste Grundlage hatte, und die Marienburg wurde nunder Hauptort des Ordenslandes. Die innere Thätigkeit des Ordenswar der Art, daß sein Land sich einer hohen Blüthe erfreute, daß alleseine bedeutenden Städte Glieder der Hansa wurden, daß Ruhe undOrdnung in dem Ordcnsgebiete mehr als in einem andern Lande Eu-ropas herrschten. Die zweite Hälfte des vierzehnten Jahrhundertsund besonders die Negierung des Hochmeisters Winrich von Kniprodevom Jahre 1351 bis zum Jahre 1382 war die goldne Zeit des Ordensund des von ihm mit Nachdruck, Milde und Weisheit regierten Landes.Das deutsche Reich aber besaß nicht die Kraft, sich mit diesem Ordens-reiche in eine Verbindung zu setzen, welche bei einem Wechsel der Ver-hältnisse einen Schutz gewährt hätte, wie ihn eine Ansiedelung zwischenfremden Völkern von dem Mutterlande erwarten muß. Die Bezwin-gung Lithauens, durch welches die Verbindung Preußens mit den fer-neren an der Ostsecküste von deutschen Ansiedlern besetzten Ländern her-gestellt worden wäre, wollte nie gelingen. Die Zeit der Kreuzzüge warvorüber. Bald fehlte auch der Antrieb dazu, da einer der Fürsten Li-thauens an der Bekehrung seines Volkes zu arbeiten begann. Ludwigder Große hatte, da seine Mutter eine Tochter Wladislaws IV. war,nach dem Tode ihres Bruders Kasimir III. des Großen im Jahre 1370auch die Krone Polens erhalten. So waren durch das Erlöschen desplastischen Königöstammes große Veränderungen vorbereitet. Nach Lud-wigs Tode war Polen seiner Tochter Hedwig, wie Ungarn seiner TochterMaria zugefallen. Hedwigs Hand erhielt um den Preis der Bekehrungzum Christenthume der lithauische Fürst Jagello im Jahre 1386, undwährend durch die hiermit auch für sein Volk beginnende Bekehrungdas Gebiet der Christenheit sich erweiterte, erwuchs dem deutschen Or-den ein mächtiger Feind durch die Verbindung Lithauens und Polens zueinem Reiche unter der Familie der Jagellonen. Zwar erwarb derOrden noch zu Jagello's Zeit den Besitz der ostwärts an Preußenstoßenden lithauische» Landschaft Samogitien, den derselbe ihm im Jahre1404 in einem Friedensschlüsse zugestand, aber ein bald neu ausge-brochener Kampf brachte eine rasche Wendung. Der Sieg der Polenbei Tannenberg im Jahre 1410 brach die Kraft des Ordens und mitdem Unglück von Außen begannen Zwietracht und Entartung. Samo-gitien und die südöstliche Landschaft Preußens, Sudauen, waren derPreis eines im Jahre 1422 geschlossenen Friedens. Eine Reihe fer-nerer Kämpfe führten dahin, daß im Jahre 1466 der Orden im Frie-den von Thorn die Länder Kulm, Pomerellen und Ermland an Jagello's