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2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
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446 Das römisch-deutsche Reich in den beiden nächsten Jahrhunderten

Die bereits eingetretene Auflösung des oströmischen Reiches brachtedurch Flüchtige, die sich von dort nach Italien retteten, griechische Ge-lehrsamkeit herüber, und der Unterricht, den dieselben ertheilten, wardbald ein allgemeines Bedürfniß bei jedem Streben nach höherer Bil-dung, da es das sich neu entrollende Bild der altrömischcn Welt durchdie Bekanntschaft mit der altgricchischen vervollständigte. Daher ent-wickelte sich ein Geschäft, wie es einst in Alexandrien getrieben wordenwar, das Geschäft der Sammlung und Erläuterung von Werken derLiteratur. Zu diesem Geschäfte stand Cosimo, der selbst in jenen altenWerken geistige Nahrung suchte, in ähnlichem Verhältniß, wie einst zuAlexandrien die Ptolemäer, indem er der neuen Philologie durch Sammelnden Stoff beschaffte und den Pflegern derselben Aufnahme und Unter-stützung gewährte.

27. Wie Florenz von der einen, so half Venedig von der andernSeite die Hoffnungen des Hauses Visconti auf eine Oberherrschaft inItalien vernichten. Dieser Staat war, obwohl ebenfalls nicht ohneinnere Kämpfe, auf ganz andcrm Wege als Florenz zu einer Verfassunggelangt, welche die Entfaltung einer großen Kraft nach Außen gestattete.Nachdem einmal entscheidende Schritte von der ursprünglichen Demo-kratie zur Aristokratie geschehen waren, wurde, wie man dem Volkeseinen Antheil an der Regierung entzog, auch die Gewalt des Dogenbeschränkt. Ein großer Rath von fast fünfhundert Mitgliedern, derAnfangs vom Volke durch Stellvertreter gewählt worden war und alsoeine Vertretung desselben gebildet hatte, ward bei dem Gewichte, dasseine Mitglieder durch Geburt und Neichthum hatten, die Grundlageeiner geschlossenen Nobilität. Ein aus sechs Mitgliedern desselben be-stehender Ausschuß ward unter dem Namen des kleinen Nathes demDogen beschränkend zur Seite gestellt und bildete mit ihm die Signoric.Wenn der Doge Anfangs gegen denselben das Recht hatte, angeseheneBürger, die jährlich durch zwölf Wähler gewählt wurden, die Pregadi,zusammenzuberufcn, so ging im Jahre 1230 auch deren Ernennung anden großen Rath über. Entscheidend waren für die Entwickelung derVerfassung die Erwerbungen in Griechenland und im Archipelagus.Wenn dadurch der Doge, indem er Aemter in jenen Niederlassungenbesetzte, sich angesehene Familien verpflichten konnte und so seine Machtsich für einige Zeit wieder hob, so öffnete sich im Osten doch auch einFeld, auf welchem einzelne Adelige sich gleich Fürsten über die Bürger-schaft erhoben. Schon die Heerführung und die Verwaltung von Pro-vinzen wirkten in dieser Hinsicht ähnlich, wie sie im alten Rom gewirkthatten. Es kam dazu, daß unternehmende Männer auf eigne HandEroberungen machten und dieselben vom Staate zu Lehen nahmen, wieselbst Griechen und Franzosen Lehenträger Venedigs wurden. Als ein