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2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
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424 Das römisch-deutsche Reich in den beiden nächsten Jahrhunderten

nieder, ließ sich aber die Würde eines Capitano, die vom Volke ver-dienten Gliedern des Adels übertragen zu werden Pflegte und Re-gierungsrechte in sich schloß, ertheilen, um die Vergrößerung des Gebietessortzusetzen. Ihm zu begegnen, ernannte der Papst nun den KönigRobert zum Reichsvikar, schickte den Legaten Bertrand dal Pogetto mit !Truppen nach Italien, und veranlaßte sowohl Friedrich den Schönenals Karls von Valois Sohn Philipp zur Unterstützung der Welfen.

Die französische und die deutsche Hülfe war nicht nachdrücklich. Karl,der selbst zu Felde gezogen war, und der von dem Böhmenkönige seinerHaft entlassene Herzog Heinrich, der seines Bruders Heer anführte,verließen Italien bald wieder. Doch der Legat bedrängte GaleazzoVisconti, der im Jahre 1322 seinem Vater Maffeo gefolgt war, so sehr, !daß dieser die Hülfe Ludwigs anrief. Der Abgeordnete des deutschen ^Königs half auch der Sache Visconti's bald ans, und das Heer desLegaten zerstreute sich. Es behielten die Welfen nur in Florenz dieOberhand, wo man Roberts Sohn Karl zum Signore oder Kriegs-befehlshaber ernannte. Erbittert über Ludwigs Eingreifen in Italien,eröffnete der Papst gegen ihn einen Kampf, der, verschieden von früherenKämpfen der Päpste, nur Eroberung und Behauptung von Befugnissen >zum Gegenstand hatte, und daher nicht im Stande war, Frömmigkeit !und Gelehrsamkeit zu Bundesgenossen des Papstes zu machen. Zeigtesich auch Ludwig unbeständig und gleich Heinrich IV. maßlos, so konnte !

es nicht ausbleiben, daß dem Papste bei dem Gebrauche kirchlicher Maß- !

regeln in weltlichen Dingen, bei der Mißachtung, in welche der den !Franzosen dienstbare und verweltlichte Hof zu Avignon gesunken war,Gleichgültigkeit, ja Abneigung begegnete. Eine Folge davon war es,daß auch der wissenschaftliche Theil der für den König geführten Ver-theidigung an Maßlosigkeit litt, und in dem Bemühen, die Ansprüche desPapstes zurückzuweisen, über das Papstthum selbst und über das Ver- ^hältniß der Gewalten in der Kirche irrige Ansichten aufgestellt wurden.Besonders traten aus dem Orden der Franciskaner eifrige Gegner desPapstes auf, gegen welche die Dominikaner durch Belehrung des Volkeszu wirken suchten. Am thätigsten war als Schriftsteller der Francis-kaner Wilhelm von Okkam, ein Nominalist, als Vertheidiger Ludwigs undals Bestreiter päpstlicher Machtvollkommenheit. Nachdem der Papst imJahre 1324 den König gebannt und Deutschland mit dem Interdiktebelegt, Ludwig aber darauf mit heftigen Beschuldigungen gegen denPapst und mit Berufung auf ein allgemeines Concil geantwortet hatte,versuchte der erstere die Krone dem französischen Könige zuzuwenden,hatte aber, obgleich Leopold dafür wirkte, bei den Kurfürsten keinen Er- ^folg. Noch mehr war es gegen den Vortheil des Papstes, daß Ludwigsich im Jahre 1325 mit Friedrich versöhnte. Friedrich erhielt die Frei-