Druckschrift 
2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
Entstehung
Seite
417
Einzelbild herunterladen
 

nach dem Ende der Krenzzügc.

417

Böhmen und Polen trug, hatte Albrechts Eifersucht erregt und als seinSohn Wenzeslaw III. um die ungarische Krone stritt, trat der Bun-desgenosse Philipps IV. auch in Ungarn für den französischen Bewerberauf, der überdies der Sohn seiner Schwester Clementia war. Als nunWenzeslaw III., der die polnische Krone dem einst durch Wenzeslaw II.verdrängten Wladislaw IV. hatte überlassen müssen, im Jahre 1306ermordet worden war, hatte Herzog Heinrich von Kärnthen als Gemahlder Schwester des Ermordeten die nächsten Ansprüche. Albrecht wollteauch dies Land als erledigtes Ncichslehen einzichen, um es seinem älte-sten Sohne Nudolph zu verleihen. Es bildete sich auch eine Partei zuRudolphs Gunsten und dieser erhielt mit der Hand von Wcnzeslaws II.Wittwe wirklich die Krone. Doch bald starb er, und Herzog Heinrichwurde durch die Wahl der Stände König, ohne daß Albrecht ihm dasLand entreißen konnte. In Thüringen und Meißen dauerte der unterAdolph ausgebrochene Krieg noch fort. Die von Adolph eingesetztenBefehlshaber der bisher behaupteten Plätze betrachteten ihren Befehlals vom Reiche übertragen, und Albrecht ging ans diese Ansicht gerneein, weil hiermit der Uebcrgang zur Besitznahme des Landes für seinHaus gegeben schien. Doch die beiden Brüder verteidigten sich nichtallein, sondern Friedrich brachte, nachdem Dietzmann, der die Nieder-lausitz an Brandenburg verkauft hatte, durch Meuchelmord gefallen under selbst'mit seinem Vater ausgcsöhnt war, das ganze Land in seinenBesitz, und eine Erneuerung von Albrechts Angriffen wurde durch dessenTod verhindert. In Vermehrung und Abrundung der znm habsburgi-schen Stammgute gehörigen Besitzungen im südwestlichen Deutschlandwar Albrecht glücklicher, weil es ihm gelang, einerseits in erimirtenkirchlichen Besitzungen sich die Vogtei, welche die Gerichtsbarkeit und daskriegerische Aufgebot in sich schloß, erblich übertragen zu lassen und soin denselben eine Landeshoheit vorznberciten, anderseits von verarmtenNachkommen kleiner Vasallen durch Kauf und Vertrag Burgen, Städteund Landschaften an sich zu bringen. Auf einen Theil der Stammgütermachte aber Johann, der Sohn von Albrechts Bruder Nudolph, An-sprüche. Albrecht hatte ihn aus Böhmen, wo er als Sohn von Otto-kars II. Tochter Agnes bei Wenzeslaw II. gute Aufnahme gefunden, zusich kommen lassen, um ihn mit seinen Kindern zu erziehen. Die fort-gesetzte Weigerung des Oheims, ihn mit Landbesitz auszustatten, wecktein dem Neffen einen solchen Haß, daß er in Verbindung mit habsbur-gischen Vasallen ihn im Jahre 1308, als er wegen neuer Rüstungengegen Thüringen sich in den Stammlanden aufhielt, an der Neuß An-gesichts des Stammschlosses Habsburg ermordete.

9. Vorher hatte Albrecht noch eine folgenreiche Veränderung inHelvetien erlebt. Es hatte in den Alpenländern eine Menge von

Kiesel, Weltgeschichte. II. 27