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2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
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414 Das römisch-deutsche Reich in den beiden nächsten Jahrhunderten

des Königs geschah Alles, um einen Bruch herbeizuführen. Er ließ dieBulle Xusoultn M öffentlich verbrennen. Um der Wirkung einesetwaigen Interdiktes vorzubeugen und ein Zeugniß des französischenVolkes für sich zu gewinnen, berief er eine Neichsversammlung in dieHauptstadt und zog zu derselben zum ersten Male auch die Abgeord-neten der Städte. Der Plan, seine schlechte Sache zu einer Sache derNationalehre gegen einen von Außen kommenden Angriff zu machen,gelang so wohl, daß selbst die französische Geistlichkeit größtenteils diePartei des Königs nahm. Nachdem sich auf der ersten Reichsversannn-luug Philipp des Beistandes der Reichsstände versichert, der Papst, derinzwischen ein Concil zu Rom gehalten, durch die Bulle IInnm snnvtamdie kirchliche Lehre von dem Verhältnisse der geistlichen und der welt-lichen Gewalt dargelegt hatte, trieb eine neue Neichsversammlung imJahre 1303 die Sache weiter durch die gegen den Papst erhobene An-klage auf Häresie und die Berufung von seinen Urtheilen an das einesökumenischen Concils und den künftig zu erwählenden rechtmäßigenPapst. Bonifacius hatte inzwischen, sich eines Beistandes gegen Philippzu versichern, den König Albrecht anerkannt und ihn zum Empfange derKaiserkrone nach Rom eingeladen. Dennoch nahm der Streit für seinePerson eine überraschende Wendung. Ein Beamter des Königs, No-garet, erschien in Begleitung eines Gliedes der Familie Cvlonna, die sichgroßeutheils nach Frankreich geflüchtet hatte, in Anagni, wo der Papstsich aufhielt. Mit reichlichem Gelde ausgestattet, hatten sie Söldnergeworben, und an deren Spitze überfielen sie den Papst, um ihn, wiesie sagten, nach Lyon zu führen, damit er sich vor einem Concile ver-antworte. Doch nach dreitägiger Haft befreiten ihn die Bewohner vonAnagni, und bald darauf starb er zu Rom. Das Papstthum aber wurdejetzt von Frankreich aus geknechtet und entwürdigt. Als Bonifacius'Nachfolger Benedikt XI. schon im Jahre 1304 gestorben war, blieb derStuhl mehr denn ein Jahr unbesetzt, weil von zwei Parteien unterden Cardinälen die eine einen Papst im Sinne Bonifacius' VIll., dieandere einen im Sinne des französischen Königs wollte. Der im Jahre1305 erwählte Erzbischof Bertrand von Bordeaux schien beiden Parteienzu genügen, war aber in der That der den Wünschen des Königs ent-sprechende Papst. Die Einladung der Cardinäle, die ihn in Perugiagewählt hatten, beantwortete er mit der Aufforderung, nach Lyon zukommen, der Stadt, die so gut als französisch war und im Jahre 1311nach vergeblichem Widerstreben des die Hoheitörechte daselbst ausübendenErzbischofs dem Reiche einverleibt wurde. Der neue Papst Clemens V.nahm, wie schon sein Vorgänger begonnen, die meisten gegen den Königerlassenen Erklärungen zurück und vermehrte die Zahl der Franzosenunter den Cardinälen, wodurch er dem neuen Zustande Dauer verschaffte.