404 Das römisch-deutsche Reich in den beide» nächsten Jahrhunderten
und dem Klerus seine Lasten nicht abgenommen wurden. Die Ermah-nungen des Papstes fanden kein Gehör, und es stand zu befürchten, daßderselbe gegen die von seinen Vorgängern gegründete Herrschaft baldeines Gegengewichtes bedürfen werde. Der neue deutsche König Ru-dolph gehörte dem Hause der Grafen von Habsburg an, deren Stammsitzan der untern Aar liegt, die aber im Laufe der Zeit ansehnliche Be-sitzungen im Elsaß, in Schwaben und in Helvetien zusammengebrachthatten. Rudolph stand, obgleich er in seiner Jugend als Anhänger-Friedrichs II. dem Banne verfallen war, im Rufe großer Frömmigkeit,und durch unermüdliche Thätigkeit, verbunden mit Tapferkeit und Klug-heit, hatte er den Besitz seines Hauses beträchtlich gemehrt. So warer bedeutend genug, um hervorzuragen, während seine zerstreuten Be-sitzungen ihm doch keine Macht gaben, wodurch er den Fürsten hättegefährlich werden können. Das Bemühen des Erzbischofs von Mainz,den auch Rücksichten der Dankbarkeit an Rudolph knüpften, bestimmtedie übrigen Wahlfürstcn, von welchen der König von Böhmen diesmalausgeschloffen wurde, weil man den Streit, den die beiden Baier-fürsten, die Söhne Otto's des Erlauchten, Ludwig der Strenge vonOberbaiern und Pfalz und Heinrich von Niederbaiern, um die Wahl-stimmen führten, dadurch ausglich, daß man Heinrich auch ohne Erzamtin den Kreis der Wähler zog. Zugleich wirkte für Rudolph der Ge-mahl seiner Schwester Clementia, der zollern'sche Burggraf Friedrich vonNürnberg. Auch mögen drei unvermählte Fürsten unter den Wählern,Ludwig, der seine brabantische Gemahlin auf voreiligen Verdacht derUntreue hatte enthaupten lassen, sowie der askanische Fürst Otto vonBrandenburg und Albrecht von Sachsen, auf Vermählung mit TöchternRudolphs, wie sie auch bald erfolgte, Pläne für ihre eigene Größegebaut haben. Ludwig erhielt außer der ihm schon vor Rudolphs Wahlzugesicherten Straflosigkeit für die Hinrichtung seiner Gemahlin auch dieBestätigung eines Länderzuwachses. Schon Konrad IV. hatte an Ottoden Erlauchten die ehemalige baierische Nordmark, die in den Besitz derSchwabenherzoge gekommen war, verpfändet, und Konradin dieselbeförmlich an den neuen Inhaber verkauft. Rudolphs Bestätigung ver-band sie für immer mit Baiern. Papst Gregor X. erhielt die Nach-richt von der Wahl auf dem Concil zu Lyon, das der Tod zweier großenKirchenlehrer, des vor der Ankunft daselbst gestorbenen Thomas vonAquino und des während desselben gestorbenen Bonaventura, bezeichnet.Ungeachtet nicht allein Alphons, sondern auch Ottokar die Wahl, jederzu seinen Gunsten, anfocht, erfolgte die Anerkennung des Papstes, nach-dem der Gewählte durch seine Versicherungen für die von den Päpstenin Italien gegründete Ordnung der Dinge Bürgschaften gegeben hatte.Bei einer Zusammenkunft, die König und Papst nach Beendigung des