Druckschrift 
2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
Entstehung
Seite
389
Einzelbild herunterladen
 

Frankreich, England und Spanien im Zeitalter der Krcnzziige. 389

Sendungen erwuchsen, wo das Vedürfmß dazu sich herausstellte, feste,an bestimmte Orte geknüpfte, welche die Form von Gerichten annahmen.Da vermöge der ganzen Anschauung der Zeit die Häresie, ebenso wieDiebstahl und Mord, zugleich als Staatsverbrechen betrachtet wurde,wirkte die weltliche Gewalt hierzu insofern mit, als ihr die der HäresieUeberwicsenen, wenn sie sich von derselben nicht lossagten, zur Be-strafung überliefert wurden.

10. Ludwig IX. empfing bei seiner Thronbesteigung ein Reich, dasnicht allein durch Beschränkung der englischen Besitzungen erweitert unddurch Erhöhung des königlichen Ansehens in sich geeinigt, sondern durchdie von seinem Großvater im Norden und die von seinem Vater imSüden für die Krone bewirkten Erwerbungen früherer Lehen dem König-thume eine Bürgschaft der Stärke gab. Zwar fühlten bei seiner Min-derjährigkeit viele Großen des Landes sich versucht, eine freiere Stellungeinzunehmen, doch des Königs Mutter Blanca führte, während sie ihrenSohn zu heiligem Leben erzog, die Negierung mit so kräftiger Hand,daß der Friede sich immer wieder von Neuem befestigte und das könig-liche Ansehn durch die wiederholten Siege um so unbestreitbarer wurde.Die Bemühungen der Geistlichkeit und die Entwicklung der städtischenGemeinwesen fuhren fort, die dem Königthume widerstrebenden Kräftezu beschränken. Dazu kam, daß französischer Thatenlust sich in der FerneSchauplätze eröffnten, auf welchen sie für die Entwicklung der heimath-lichen Verhältnisse unschädlich wurde. Das französische Kaiserreich desOstens und das heilige Land forderten bei ihren steigenden Bedrängnissenstets neue Hülse, und die Neigung, Verwandten und Stammesgenossenbeiznstehen, trug dazu bei, den Unternehmungsgeist dorthin zu richten.Die Erfolglosigkeit solcher Züge, wie der französische Kreuzzug desJahres 1236 war, wirkte zu Gunsten des Königthums, da die übrigGebliebenen mit geschmälertem Ansehn und verringerter Macht heim-kehrteu. In Spanien hatte König Jakob von Aragonien im Kampfegegen die Ungläubigen eine Siegeslanfbahn betreten, die jedem seinerGenossen Gewinn und kriegerische Ehre verhieß. Selbst England half dieZahl der französischen Ritter vermindern, indem Heinrich III. eineSteigerung seiner Gewalt davon erwartete, wenn er Fremde, die nurihm ergeben sein könnten, zu Aemtcrn und Befehlshaberstcllen verwendete.Einer der französischen Vasallen, der Graf von Champagne, stieg zwarim Jahre 1234 zu höherer Macht empor, indem er als Gemahl Blan-ca's, der Schwester Sancho's VII., des letzten Königs von Navarra,König dieses Landes wurde, während Jakob von Aragonien, welchemSancho Anspruch auf die Nachfolge verliehen hatte, durch Krieg gegenValencia an deren Behauptung gehindert wurde. Doch war das neueReich von der Champagne zu entfernt, um dem französischen Vasallen