Frankreich, England und Spanien im Zeitalter der Krcnzziigc. 377
Normandie von England wurde erreicht, ohne daß es für die Dauergewesen wäre. Gottfried Plantagenct und Mathilde bekriegten denKönig Stephan in England und Frankreich. An diesem Kriege bethei-ligte sich Schottland, welches dadurch, daß seine Könige englische Lehenim Norden besaßen, in ähnlichem Verhältnisse zu England wie dieseszu Frankreich stand. König David, der als Bruder von Heinrichs I.Gattin Mathilde der Oheim von Plantagenets Gattin Mathilde war,bekämpfte Stephan von Norden her, während Mathilde im WestenEnglands eine Partei gewann. Aber die Schotten wurden im Jahre1138 geschlagen, und ungeachtet eines im Jahre 1141 bei Lincolnerfochtenen Sieges konnten sich Mathilde und ihr herübergekommenerSohn Heinrich in England nicht halten und erlangten im Jahre 1144nur den Besitz der Normandie, für welche Ludwig, der dem Sohne dazuHülfe geleistet, im Jahre 1150 dessen Lehenöhuldigung nebst der Graf-schaft Verin, dem alten Vulcassinischen Gau, erhielt. Vor Beendigungdieser Angelegenheit hatte den König der Kreuzzug aus dem Landeentfernt, und nach der Rückkehr trug sich eine für die Verhältnisse Frank-reichs und Englands folgenreiche Veränderung zu. Der König hattein den ersten Jahren seiner Negierung aquitanische Ansprüche gegen dieGrafschaft Toulouse geltend machen wollen und war dadurch mit demmächtigen Grafen Theobald von Champagne, der ihm Heeresfolge ge-weigert, in eine Fehde gerathen, bei welcher zu Vitry in den Flammender brennenden Kirche Tausende von Menschen umkamen. Die Erin-nerung an dieses Ereigniß soll auf sein Gemüth so stark gewirkt haben,daß Bernhards Aufforderungen zum Kreuzzuge auf einem zu Vezelay ge-haltenen Reichstage oder Parlament stärker wirkten, als abmahnenderRath der Staatöklugheit. Es war besonders der Abt Suger von SanctDenps, der zu Gunsten der einheimischen Verhältnisse den Zug in dieFerne widerrieth. Mit dem heiligen Bernhard zusammenwirkend zumSchutze der Kirche gegen die weltlichen Vasallen, trennte er sich vonihm, wo der Vortheil des Königthums sich von dein der Kirche zuscheiden schien. Als ungeachtet seines Abmahnens der Kreuzzug dochunternommen ward, erhielt er, den Kenntnisse und Gewandtheit schonzu dem ersten Rathgeber des vorigen Königs gemacht, für die Dauerdes Kreuzzuges die Leitung der Reichsgeschäfte, denen er mit dem rühm-lichsten Erfolge Vorstand. Von dem unglücklichen Kreuzzuge brachte derKönig auch häuslichen Unfrieden mit zurück. Eleonore hatte durch ihrenLebenswandel den König so von sich gestoßen, daß er auf Scheidungdachte. Zwar hielt ihn Sugers Rath davon zurück, aber nach dessenTode im Jahre 1152 kam das Vorhaben zur Ausführung, da auchwegen Verwandtschaft der Ehegatten Bedenken gegen die Nechtmäßigkeitder Ehe sich erhoben hatten. Noch im nämlichen Jahre verheirathete