Druckschrift 
2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
Entstehung
Seite
374
Einzelbild herunterladen
 

374 Frankreich, England und Spanien iin Zeitalter der Kreuzzügc.

England führte Ludwig nicht zum Ziele. Heinrich hatte während seinerKämpfe in Frankreich seine Herrschaft in England durch viele Zuge-ständnisse befestigt. In dem gegen Anselmus geführten Jnvestiturstreithatte er die von dem Concil zu London im Jahre 1107 ausgestelltenGrundsätze, die später in Worms Heinrich V. gegenüber zur Geltungkamen, angenommen und, während er aufrührerische Große mit Gewaltzur Ruhe brachte, durch Erleichterung des seit der normannischen Er- ^

vberung auf das Land gelegten Druckes und durch Regelung der Thätig- !

keit seiner Beamten wohlbegründeten Beschwerden theilweise abgeholfen.

So stand er fest genug, um, da sein einziger rechtmäßiger Sohn Heinrichvor ihm gestorben war, seiner einzigen rechtmäßigen Tochter Mathilde,der Wittwe Kaiser Heinrichs V., die Nachfolge zu verschaffen, indem ersie im Jahre 1129 an Gottfried, den Sohn Fulko's von Anjou, ver-heiratete, der von seiner Gewohnheit, einen blühenden Ginfterzweig aufdem Helme zu tragen, den Namen Plantagenet führte. Gottfried kamnoch in demselben Jahre in Besitz der Grafschaft Anjou, da sein Vaternach dem heiligen Lande zog, dessen Krone er später trug. Die könig-liche Würde in England aber entriß ihm ein im Lande begüterter An-gehöriger der Königsfamilie, des Königs Schwestersohn Stephan, derdurch Vermählung auch Graf von Boulogne geworden war. Nachdemihm dieses gelungen war, trug er auch in der Normandie den Siegüber seinen Nebenbuhler davon, während Ludwig durch Kränklichkeitgehindert war, durch Unterstützung desselben auf eine Trennung derNormandie von England nochmals hinzuwirken.

3. Obgleich Ludwig für seine Thätigkeit den Norden Frankreichszum Schauplatze hatte, verlor er den Süden nicht ganz aus den Augen, iwie ein zweimaliges Einschreiten gegen den Grafen von Auvergne zu ^Gunsten des Bischofs von Clermont zeigt. Doch blieb dieses Eingreifen !ein vereinzeltes und kündigte nur von fern an, was geschehen werde,wenn die königliche Herrschaft im Norden befestigt sei. Die Geschichtedes südlichen Frankreichs bildete noch einen für sich abgeschlossenen Kreis. ^Mehr als in die Geschichte des nördlichen Frankreichs verflocht sich die-selbe in die Geschichte des nördlichen Spaniens. Es hatte sich ein !spanisches Frankreich im Süden, wie ein englisches im Norden gebildet.

Die spanischen Herrschaften, dem Hause der Grafen von Catalonien ,gehörig, kamen an das aragonische Reich durch die Verbindung, in !welche im Jahre 1137 Catalonien mit Aragonien trat. Der aragonischeKönig AlPhons I., der Schlachtenlieferer, der durch Vermählung mitdes kastilischen Königs AlPhons VI. verwittweter Tochter Urraca Ca-stilien gewonnen und durch Entzweiung mit ihr verloren, hatte seinReich, zu dem seit den Zeiten seines Vaters Sancho IV. auch Navarragehörte, den Johannitern, den Templern und dem von ihm gestifteten