Frankreich, England und Spanien im Zeitalter der Krcuzzüge. 373
Normandie abgcfunden. Doch ein neuer Zwist der Brüder führte imJahre 1106 den älteren für Lebenszeit in die Gefangenschaft des in dieNormandie gekommenen jüngeren und vereinigte die Normandie, dasfranzösische Herzogthum, wieder mit dem selbstständigen KönigreicheEngland. Dieses Ereigniß, an das sich in der Folge auch die Aner-kennung der normannischen Lehenshoheit über die Bretagne knüpfte,war für Ludwigs Zwecke nachtheilig, da gerade in dem nördlichen TheileFrankreichs, wo er die Befestigung der Königsgewalt zuerst versuchenmußte, ungehorsame Vasallen an dem größten der Vasallen ein Vorbildund eine Hülse fanden. Durch einen großen Theil von Ludwigs Re-gierung ziehen sich die Versuche hindurch, die Normandie wieder vonEngland zu trennen, und wenn dieselben auch mißlangen, so bewährteer in den diesfälligen Kämpfen einen Math, eine Ausdauer und eineGeschicklichkeit, wodurch er minder mächtigen Vasallen Achtung undFurcht genug einflößte, um sich und das Land von ihrer Willkühr zubefreien. Nachdem ein Krieg um die Normandie für Ludwig nichts zu-wege gebracht, begann derselbe im Jahre 1117 mit den Grafen Fulkovon Ansou und Balduin VII. von Flandern einen neuen zu Gunsteneines Sohnes des Herzogs Robert, des Wilhelm Clito. Ueber dieNormandie und einen Theil Franciens verbreitete sich ein verheerenderKrieg, aber Heinrich entzog dem Gegner seinen Bundesgenossen Fulko,indem er eine von dessen Töchtern seinem Sohne Heinrich verlobte, undein entscheidender Kampf zwischen Andelyö und Noyon endete zumNachtheile Ludwigs. Als dieser dennoch den Krieg fortsetzte, bewirktePapst Calirtus II., dem er auf dem Concil von Rheims im Jahre 1119seine Beschwerden vorgetragen, im Jahre 1120 mittelst einer zu Gisorsmit Heinrich gehaltenen Zusammenkunft einen Friedensschluß. Bei aber-maligem Versuche Ludwigs gelang es Heinrich, seinen SchwiegersohnKaiser Heinrich V., der auf Ludwig wegen der von Frankreich aus im Jn-vestiturstreit ergangenen kirchlichen Verfügungen erzürnt war, für sich zubewaffnen. Doch die Gefahr eines deutschen Angriffes versammelte umLudwig, der die Fahne des Klosters Saint Denys zu Paris, die Ori-flamme, als Ncichsfahne führte, im Jahre 1124 bei Rheims ein solchesHeer, daß der Kaiser seinem Vorhaben entsagte, und die Franzosen voneinem Einfalle in die benachbarten deutschen Gebiete nur durch die Bitteder Bischöfe zurückgehalten wurden. Bald darauf suchte Ludwig seinemHauptgegner eine Gefahr dadurch zu bereiten, daß er seinem Schützlingbei einem in Flandern nach Balduins VII. Tode ausgebrochenen Erb-folgestreit die Herrschaft dieses Landes erwerben half; doch auch dieshatte keinen Bestand, da Wilhelm Clito im Jahre 1128 einem von denFlanderern herbeigerufenen Gegner, dem elsassischen Grasen Dietrich, erlagund Ludwig diesen belehnen mußte. Auch der Tod des Königs von