372 Frankreich, England und Spanien im Zeitalter der Krcuzzüge.
Könige dem Kampfe zwischen Papst und Kaiser fern bleiben, ergreifensie die Partei der Kirche in den Kämpfen, die sich auf französischemBoden durch häretische Bewegungen entspinnen, und ihre Theilnahmean denselben begründet ihre Macht in einem Theile des Reiches, wo siebisher wenig oder gar nicht zur Anerkennung gelangt war.
2. Ein für die Entwicklung der französischen Verhältnisse sehrgünstiger Umstand war es, daß von den fünf Königen dieses Zeitraumes, !deren jeder als ältester Sohn seinem Vater folgte, Ludwig VI.(1108—1137), Ludwig VII. (1137—1180), Philipp II. (1180-1223),Ludwig VIII. (1223—1226), Ludwig IX. (1226-1270), vier sehrlange regierten und daher nicht allein jeder für sich seinen planmäßigenBemühungen durch lange Fortsetzung Erfolg verschaffen, sondern auchden ältesten Sohn zur Verfolgung des eingeschlagenen Weges erziehenund gewöhnen konnte. Der erste von ihnen hatte schon bei Lebzeitenseines Vaters eine Thätigkeit für Handhabung der Ordnung gezeigt,von welcher die Lehensträger für ihre Selbstständigkeit fürchten zu müssenglaubten. Doch ihre Bemühungen, die Krone ihm zu entziehen, scheiter-ten an den Gegenbemühungen der Bischöfe, die jetzt und in der Folge,für die Herstellung eines besseren Zustandes bemüht, eine Stütze desKönigthums werden mußten. Eine Versammlung des Erzbischofs vonSens und seiner meisten Suffragane, der Bischöfe von Chartres, Paris,Meaur, Orleans, Aurerre und Revers, die auf Betreiben des durchGelehrsamkeit und Frömmigkeit ausgezeichneten Bischofs Ivo von Char-tres in Orleans zu Stande gekommen war, ertheilte dem Königssohnedie Herrschaft mittelst der Krönung durch den Erzbischof. Die Machtdes Königs war gering, da zu seinem unmittelbaren Gebiete nur sechsgroße Städte, Paris, Orleans, Etampes, Melun, Bourges und Com-piegne gehörten, zwischen denen noch dazu die Verbindung durch da-zwischen liegende fremde Besitzungen mit festen Schlössern gehindert war.Ueberdieö hatte er unter seinen Vasallen einen, der zu mächtig war,um zum Gehorsam bereitwillig zu sein oder gezwungen werden zukönnen, den König von England. Nach König Wilhelms II. Tode imJahre 1100 hatte sich der dritte von den Söhnen Wilhelms deS iEroberers, Heinrich I. (1100—1135), des englischen Thrones bemächtigt,während der älteste, Herzog Robert von der Normandie, im heiligen !Lande war. Als Robert, welcher auf der Rückkehr lange in Apulien jverweilt, endlich zurückgekehrt war, in der Normandie, die er bei dem jBeginn des Kreuzzuges an König Wilhelm II. verpfändet hatte, überallanerkannt wurde und nun auch ein Recht auf England geltend machenwollte, verhinderte der Erzbischof Anselmus von Cantcrburp innerenKrieg dadurch, daß er die englischen Vasallen zur Treue gegen Heinrichermahnte, und Robert ward durch Neberlassung der nicht ausgelösten