Frankreich, England und Spanien im Zeitalter der Krcuzztige. 371
Wicklung genießt, durch welche es auf die allgemeinen Begebenheitenund Verhältnisse einen entscheidenden Einfluß zu üben die Fähigkeiterlangt. Die Wichtigkeit, die Frankreich unter den christlichen Staatenhat, wird noch erhöht durch die Größe seines Antheils an Entwicklungder Lebensverhältnisse und an Förderung geistiger Bildung. Dadurchbehauptet eö auch Deutschland gegenüber seine Stellung als älteresGlied im christlichen Staatenspstem, indem es die Mittheilnng vonErgebnissen seines Lebens fortsetzt, wie schon das merovingische Franken-reich sie begonnen hat. Dabei aber steht es dem deutschen Reichegegenüber in strenger Absonderung da, indem die Thätigkeit der staat-lichen Kräfte theils nach Innen, theils nach andern Nachbarstaatengerichtet ist, und das deutsche Reich hier nicht, wie im Osten, unbestimmteund eine fremde Einwirkung erheischende Verhältnisse vorfindet. Vor-übergehende Verwicklung deutscher und französischer Verhältnisse trittzwar ein, ist aber durch die Stellung Englands gegen Frankreich veran-laßt, vermöge deren das letztere sich den Hohenstaufen gegen die mitEngland verbundenen Welfen anschließt. Daher find die westdeutschenGrenzgebiete nicht, wie die ostdeutschen, Schauplätze eines oft wiederholtenRingens um Oberhoheit und Unabhängigkeit. Die Berührung ist einegeräuschlose, wirkt jedoch zur Schmälerung deutscher Macht insofernmit, als die unter deutscher Herrschaft stehenden romanisch redendenLänder, durch die Macht innerer Verwandtschaft gezogen, sich mehr undmehr zu Frankreich hinwenden und ohne Kampf sich von Deutschlandlösen. Indem Frankreich so in der Stille Schritte zu seiner Erweite-rung thut, betritt es auch die Bühne der großen Weltbegebenheiten,wenn auch meistens nicht als Staat, sondern in freiwilliger Theilnahmeseiner Angehörigen, durch die Kreuzzüge und die Stiftung französischerReiche im Osten, sowie durch die fortdauernde Mitwirkung zur Be-kämpfung der Ungläubigen jenseits der Pyrenäen. Die umfassendeThätigkeit, welche Frankreich in diesen Angelegenheiten entwickelt, fördert,indem sie die Fehdelustigen in großen Schaaren in die Fremde führt,die Erhebung der königlichen Gewalt aus ihrer bisherigen Erniedrigungund die von ihr ausgehende innere Einigung. Eine weitere günstigeFügung ist es, daß Frankreich im Ganzen nicht gleich dem deutschenReiche in Kämpfe mit der Kirche verwickelt und dadurch in seinemInnern zerrissen wird. Nur einzelne Handlungen seiner Könige bereitenVerwicklungen, in welchen die Kirche meist die Befolgung ihrer Anord-nungen durchsetzt, zuweilen auch dieselben, wenn sie nicht rein kirchlicherNatur sind, aufgibt, und das Land sich innere Zerrüttung erspart sieht.Dieser Umstand bringt der Kirche den Vortheil, daß den Päpsten imKampfe mit den Kaisern Frankreich der sichere Boden wird, auf welchemsie der gegen sie gerichteten Gewalt entgehen. Während jedoch die
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