Das römisch-deutschc Reich im Zeitalter der Äreuzziige. 367
staden der Nordsee, entwickelten sich Verhältnisse, welche dem Reiche seineGrenzlandschaften allmälig entfremdeten. Die naturgemäße Ausbildungeiner großen HandelSthätigkeit, das Aufstreben des in dieser Thätigkeiterzogenen Bürgerthums, die durch Flandern vermittelte Verflechtung infranzösische Angelegenheiten, arbeiteten an einer allmäligen Trennung vondem Reiche, das die nach Absonderung strebenden Glieder festzuhaltenweniger als je geeignet war.
24. Bei der inneren, bis zur äußersten Rechtlosigkeit gesteigertenVerwirrung boten die Städte allein eine Zuflucht gegen Willkühr, Raubund Bedrückung. Das Bedürfniß einer wirksameren Abwehr schufStädteverbindungen. So schloß eine Anzahl rheinischer Städte amLaufe des Stromes von Basel bis Wesel unter Zustimmung der rheini-schen Erzbischöfe und Bischöfe einen Bund, der zur Abwehr gemeinsamerGefahr Strcitkräfte stellte, um sich gegen Fürsten und Adel sowohlräuberischer Anfälle als einer Beschränkung des Verkehrs durch will-kührlich angelegte Zölle zu erwehren. Früher schon, im Jahre 1241,hatte eine Verbindung zwischen Hamburg und Lübeck den Grund zueinem Bunde gelegt, dem eine noch bedeutsamere und reichhaltigere Ent-wickelung und eine längere Dauer beschicken war. Es ist dies derBund, der in der Folge unter dem schon früher an der deutschen undfranzösischen Nordseeküste vorkommenden Namen der Hansa, einem aufVereinigung und Beisteuer zu gemeinsamen Zwecken deutenden Na-men, die Seemacht des Nordens geworden ist. Schon seit dem zwölftenJahrhunderte hatte der norddeutsche Handel sich Wege nach allen Küstendeö baltischen Meeres und der Nordsee geöffnet, in London große Han-delsvorrechte erworben, in Wiöbp auf der Insel Gothland eine wichtigeNiederlassung gegründet und mit dem russischen Nowgorod eine höchstergiebige Verbindung angeknüpft. Auf den Wegen des Handels aberwar auch das Christenthum in ferne Heidenländer gedrungen und wäh-rend das Reich seine Wirksamkeit nach Nordosten immer mehr beschränktsah, eroberten unabhängig von ihm seine nordischen Städte der Christen-heit ein neues Gebiet, mit welchem sich auch, wenn nicht das Gebietdeö Reiches, doch das Gebiet deutscher Sprache und Sitte erweiterte.
25. Da die friedlichen Ansiedelungen, welche die Ausgangspunkteder Bekehrung bilden sollten, bald eines Schutzes gegen die um ihreReligion und ihre Selbstständigkeit zugleich besorgten Heiden bedurften,wurden auch nach diesen Gegenden, wie nach Syrien, Kriegszüge unterdem Zeichen des Kreuzes unternommen und da die Erfolge glücklichwaren, entstand auch im Nordostcn ein ritterliches Reich. Zuerst hattendeutscher Handel und Chriftenthum an der Düna, in Lifland seit demJahre 1158, festen Fuß gefaßt und in Jrkul an der Düna war die ersteKirche entstanden. Als aber der erste Glaubensbote, Meinhard, von