366 Das römisch-deutsche Reich im Zeitalter der Krcuzzüge.
Stellung, wie sie einst Heinrich der Löwe gestabt, zu sichern schien, dieaber gerade ihrer Größe wegen Ursache war, daß man auf dessen Hauptedie deutsche Königskrone nicht sehen wollte. In der Nähe dieser neuenMacht ging eine fernere Veränderung durch Aussterben der Herzoge vonMeran im Jahre 1248 vor sich. Der südliche Theil ihres Gebietes, Tirol, ^kam an den Grafen Mainhard von Görz. Von den nördlichen Besitzungenfiel ein Theil Baiern zu. Ein anderer Theil derselben diente zur Ver-größerung eines Fürstenthums, das unter dem schwäbischen Grafen-geschlechte der Hohenzollern um die Stadt Nürnberg bestand, und dasvermöge seiner Entstehung aus einem nicht bloß die Peinliche Gerichts-barkeit in der Stadt, sondern auch die Vertheidigung der dortigen Burgin sich begreifenden Amte ein Burggrafthum stieß. Von der in derZeit des Interregnums fortgeschrittenen Zerstückelung waren weder dieneuen, noch die übrig gebliebenen alten Herzogthümer verschont geblie-ben. Doch geschahen die Zerstückelungen auf verschiedene Weise. Vonden alten Herzogthümern hatten sich Oberlothringen und Schwaben amlängsten erhalten. Das erstere bestand unter dem Namen Lothringen,der ihm ausschließlich eigen wurde, fort, indem es au viele Grafen unddie drei in seinen Grenzen gelegenen Bisthümer Metz, Toul und Ver- idun Gebiet verlor. Das letztere dagegen wurde, da es als Neichsland 'zur herrenlosen Beute geworden schien, mehr als ein anderes aufgelöstund keines der neuen Fürstenhäuser, unter denen das würtembergischeund hohenzollernsche hervortreten, konnte sich eines Nestes der herzog-lichen Würde bemächtigen. Andere Herzogthümer erlitten Zerstücke- i
lung durch die Erbtheilungen ihrer Inhaber. So theilte sich Baiern im ;
Jahre 1255 in Oberbaiern und Niederbaiern, von denen das erstere die s
rheinische Pfalz behielt, Sachsen im Jahre 1260 in Sachsen-Lauenburgund Sachsen-Wittenberg, Braunschweig-Lüneburg im Jahre 1267 in die ^Herzogthümer Brauuschweig und Lüneburg. Das Reich bestand jetztaus inehr als zweihundert theils geistlichen, theils weltlichen reichsunmittel- ^
baren Gebieten, deren Inhaber die Neichöftände waren, und da zufällige s
Erwerbungen die Gebiete gebildet hatten und sie noch fortwährend in r
Verbindung mit neuen Theilungen veränderten, lagen dieselben in bun-testem Gemische durcheinander, so daß die Besitzungen eines Inhabers ^oft durch Besitzungen anderer getrennt waren. Dieses zersplitterte Reich ^mußte den Beruf aufgeben, den Kern des christlichen Staatenspstemö zu rbilden. Im Osten war von den Ncbenländern nur Böhmen dem Reiche !verblieben, das durch die Verbindung seiner Könige mit den Hohenstaufenund durch die Bildung von Ottokars II. Macht sich noch enger demReiche angeschlossen hatte. Im Norden war Dänemark längst verloren.
Im Süden war in dem italischen und dem arelatischen Reiche dieReichshoheit im Erlöschen. Selbst auf deutschem Boden, an den Ge-