Das römisch-deutsche Reich im Zeitalter der Krcuzziigc. 365
größten Theil der im nördlichsten Thcile des alten Hcrzogthums Frankengelegenen Landschaft Hessen umfaßten. Der Krieg, den sic mit braun-schweigischer Hülfe gegen Heinrich führte, endigte nach einem Siege, dendessen Söhne Atbrccht der Unartige und Dietrich oder Dictzmann zwi-schen Halle und Wettin erfochten, im Jahre 1265 mit einem Vergleiche,durch welchen ganz Thüringen Heinrich dem Erlauchten verblieb undHessen unter dem Namen einer Landgrafschaft an Heinrich das Kindüberging. Oestreich war erledigt, weil Friedrich der Streitbare, derdie innere Zerrüttung Ungarns für eigene Zwecke hatte benützen wollen,im Jahre 1246 in einer Schlacht an der Leitha gegen König Beta IV.gefallen war, ohne Kinder zu hintcrlassen. Kaiser Friedrich traf An-stalten, das Land als heimgefallenes Neichslchcn in Verwaltung zunehmen. Doch die Großen des Landes waren bemüht, sich einen neuenHerzog zu geben, worin sie mit dem Papste, der eine Befestigung derHohenstaufen durch neuen Landerwerb nicht wünschen konnte, zusammen-trafcn. Eine Tochter von dem älteren Bruder des verstorbenen Her-zogs war mit Wladislaw, Wenceslaws Sohne, vcrheirathet, der Mährenals abgesonderten Theil des böhmischen Reiches regierte. So wärenach unzweifelhaftem Erbanspruche das erledigte Land mit Mähren ver-bunden worden, wäre nicht Wladislaw vor der Besitzergreifung gestorben.Indessen erhielt es doch einen böhmischen Fürsten in der Person vonWladislaws Bruder Ottokar, dem neuen Markgrafen von Mähren.Zwar brachte Wladislaws Wittwe durch ihre zweite Vermählung dasLand an den Markgrafen Hermann von Baden, doch dieser konnte sichgegen die Stellvertreter des Kaisers nicht behaupten und starb mit Hin-terlassung eines unmündigen Sohnes Friedrich, der in der Folge derGenosse Konradins wurde und dessen Schicksal theilte. Besser gelanges Ottokar, der im Lande Anhang gewann und sich rechtliche Ansprüchedurch Vermählung mit der Schwester Friedrichs des- Streitbaren undWittwe des ehemaligen römischen Königs Heinrich verschaffte. Unge-achtet die alte Feindschaft Ungarns setzt wieder wirkte, und dessen Königvon dem Papste dem Kaiser als Bewerber um Oestreich entgegcngestelltwurde, gelang cs Ottokar, der im Jahre 1251 seinem Vater als Königvon Böhmen gefolgt war, sich in Oestreich, Steiermark und Kram zubehaupten. Da er inzwischen durch Trennung von seiner Gemahlinseine Erbansprüchc verloren, hatte er sich im Jahre 1262 in Aachenvon König Richard bei dessen zweitem Aufenthalte in Deutschland be-lehnen lassen. Auch brachte er im Jahre 1270 das verkleinerte Herzog-thum Kärnthen durch Vermächtniß des ihm verwandten letzten Herzogsan sich. So war im Osten Deutschlands von Böhmen aus in Ländern,die mit Ausnahme des eigentlichen Herzogthums Oestreich ebenfalls sla-visch waren, eine Macht begründet, die ihrem Besitzer eine ähnliche