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2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
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Das römisch-deutsche Reich im Zeitalter der Kicuzziigc. 361

rich Raspe, der in der Zeit zwischen Heinrichs Sturz und KonradsErhebung als Reichsverwcser großes Ansehn gewonnen hatte. Vondem Papste mit Geldc unterstützt, bezeichnte er, von der Gegenparteispottweise der Pfaffenkönig genannt, seine Streiter, wie Ludwig IX.diejenigen, die er gegen die Ungläubigen sammelte, mit dem Kreuze, underfocht bei Frankfurt einen Sieg über König Konrad. Obgleich imSüden Deutschlands die Familie der Hohenstaufen an Herzog Otto vonBaiern, der seine Tochter Elisabeth mit Konrad vermählte, eine Stützebehielt, ließ es das bei vielen Gliedern des Reiches rege Bemühen, indem Zwiespalte eigene Landeshoheit zu begründen, nicht zur Bildungeiner mächtigen Partei für den Kaiser kommen, und dieser konnte vondem Sohne aus Deutschland keine Hülfe erhalten, während seine Gegnerin Oberitalien durch die von dort einlaufenden Nachrichten ermuthigtwurden. Zwar starb Heinrich Raspe schon im Jahre 1247 auf derWartburg, aber an seine Stelle trat, nachdem Graf Otto von Geldern,Herzog Heinrich von Brabant, König Heinrichs III. Bruder Richard,König Hako von Norwegen, diesfällige Aufforderungen abgelehnt hatten,ein neuer König in der Person des Grafen Wilhelm von Holland, demseiner Jugend wegen mit der Krone auch erst die Erhebung zum Nilterzu Theil wurde. Die Entscheidung hing von dem Glücke des Kaisersin Oberitalicn ab. Hier aber erlitt er, während er mit Stillung derEmpörung in seinem Erbreiche beschäftigt war, einen Schlag dadurch,daß Enzius von den Bewohnern Bologna's im Jahre 1249 gefangengenommen wurde und seine Laufbahn mit einer Haft, aus der er nichtmehr befreit wurde, schloß. Zugleich beugte ihn der Verdacht, der sichgegen seinen gewandtesten und treuesten Diener, den Staatsmann Petrusde Vincis, ergeben hatte, als ob derselbe ihn habe vergiften wollen.Während überall der Kampf, ohne sich zur Entscheidung zu neigen,tobte, und im nordöstlichen Italien bis nach Belluno der als Partei-gänger des Kaisers groß gewordene Ezzelin ohne Rücksicht auf ihn alsunabhängiger Gebieter mächtig schaltete, starb Friedrich im Jahre 1250 zuFirenzuola, nachdem er durch ein Testament, worin er seinen SohnKonrad zu seinem Nachfolger im deutschen und im sicilischen Reiche be-stimmte, den Kampf, in dem er untergegangen, auf denselben vererbthatte. Mit den schönsten Kräften auögcstattet, hatte er im Mangel anSelbstbeherrschung die Forderungen, die die Welt an ihn machte, ver-kannt und den Sturz seines Hauses bereitet. Auflösung in Deutschlandund Oberitalicn, Schmälerung der Christenheit durch Vorrücken vonMoslemen und Heiden waren die Ergebnisse seines Lebens. Wie derBeruf, Vorkämpfer des Christenthums zu sein, an seinen großen Zeit-genossen Ludwig IX. überging, mußte Deutschland in seinem Sinken dieMacht des benachbarten Frankreichs wachsen sehen, an das es in der