Das röimsch-dcutschc Reich im Zeitalter der Krcuzziige. 355
gezwungen wurden. Die Negicrungsthätigkeit des Königs Heinrich tratden Städten hemmend entgegen, weil bei seinem Bemühen um unab-hängige Herrschaft die Freundschaft der Fürsten seine Stütze sein mußte.Mit den großen Gebieten gingen inzwischen in Folge der bei Auösterbeneiner Familie eintrctenden Erbansprüche wesentliche Veränderungen vor,indem sich theilS getrenntes Gebiet vereinigte, theils ein Ganzes inTheile auflöste. So erhielt der Herzog Ludwig von Baiern die rhei-nische Pfalzgrafschaft im Jahre 1227 nach dem Tode des Welfen Hein-rich in Folge der Ehe, die dessen Tochter Agnes mit seinem Sohnegeschlossen hatte. So thcilte sich das zähringische Herzogthnm, dessenFürstenstamm im Jahre 1218 mit Berthold V. erloschen war, da Friedrichdie Unterscheidung zwischen Aloden und Reichsgut unausführbar fand,unter eine Menge von Herren. Die Grafen von Teck, von Urach, vonKyburg erhielten als Verwandte ihre Antheile. Bern, Solothurn unddas helvetische Freiburg wurden freie Reichsstädte. Die Grafschaft Sa-voyen, das weltliche Gebiet des Bisthums Lausanne und die GrafschaftBaden vergrößerten sich bei dieser Gelegenheit. Graf Hermann vonBaden, der als Erbe von einem Theile des zähringische» Gebietes denim zähringische» Hanse aus der Zeit der kärthnischen Herrschaft geblie-benen Markgrafentitel annahm, erhielt noch ferneren Gebietszuwachsdurch Entschädigungen, die ihm in seiner Nähe für den von seiner GattinIrmgard, einer Tochter des Pfalzgrafcn Heinrich, auf väterliches Erbe ge-leisteten Verzicht zu Theil wurden. Im Norden Deutschlands, wo ans KönigWaldemars I. Laufbahn dessen Söhne und Nachfolger Kanut VI. undWaldemar II. fortgeschritten und Ditmarschen, Holstein, Hamburg,Lübeck, Mecklenburg und Pommern dänischer Besitz geworden waren,stellte sich durch die Unterstützung, welche die tranöalbingischen Herrenvon dem sächsischen Herzoge Albrecht, Bernhards Sohne, erhielten, dasReichsgebiet bis zur Eider und der Ostsee wieder her, und Walde-mars II. Sohn und Nachfolger, Waldemar III., besaß seit dem Jahre1227, obgleich er den Titel eines Königs der Wenden führte, von allendiesem Titel entsprechenden Landen nur die Insel Rügen.
16. Das Erscheinen Friedrichs, der im Jahre 1235 aus Italienüber Aquilesa in Regensburg anlangte, zerstörte die Pläne seines Sohnes.Ein Briefwechsel zwischen Beiden, hatte die Spannung nur erhöht, undauf einem Reichstage zu Boppart im Jahre 1234 hatte sich Heinrichzum unabhängigen Könige von Deutschland erklärt. Auf einem Reichs-tage zu Worms erhielt der Sohn Verzeihung, wurde aber bald, da erdie eingegangenen Bedingungen nicht erfüllte, verhaftet und verbrachte seinübriges Leben als Gefangener in verschiedenen Schlössern des sicilischenKönigreichs. Zwei Jahre später trat an seine Stelle Friedrichs jüngererSohn Konrad. Bald nach Heinrichs Absetzung nahm der Kaiser zu
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