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Das römisch-deutsche Reich im Zeitalter der Kreu;;uge.
an den Kaiser an und verübten von Neuem ihre Greuel im NordosicnItaliens, als Friedrich von Aquilcja nach seinem Erdreiche zurückgekehrtwar. Die Vermittlungsbestrebungen des Papstes hatten nur im Einzel-nen Erfolge. Sie beschwichtigten wohl hie und da die Fehdelust, aberdie lombardischen Städte waren zu keinem Nachgcben gegen den Kaiserzu vermögen, da sie zn gut einsahen, daß den Papst die zunehmendeSpannung mit dem Kaiser bald zwingen würde, an ihnen eine Stützezu suchen. Auch knüpften sie Verbindungen mit Friedrichs SohneHeinrich an, der in Deutschland allmälig das Ansehen seines Vaterszu beseitigen suchte und ungeachtet der von Seiten des Papstes anihn ergangenen Abmahnuugen sich auf dem Wege zur offenen Em-pörung befand.
15. Die lange Abwesenheit Friedrichs aus Deutschland war daselbstdem Fortschritte zu einer Auflösung des Reiches überaus förderlich ge-wesen. Das Fehdewesen hatte immer mehr überhand genommen. Derweise Neichsverweser, Erzbischof Engelbert, war selbst das Opfer per-sönlichen Grolles eines seiner Verwandten, des Grafen von Isenburg,geworden, der ihn im Jahre 1225 bei Schwelm in meuchlerischem Ueber-falle ermordete. Der Herzog Ludwig von Baiern, welcher von demKaiser an Engelberts Stelle gesetzt wurde, konnte dem Unwesen nichtsteuern. In das düstere Gemälde der damaligen Wirren fällt ein milderLichtstrahl aus dem Leben einer Fürstin, die, ein Opfer von Habsuchtund Gewaltthat, in der Erniedrigung die Heiligung fand und ein Vor-bild des edelsten Wirkens, der thätigsten Menschenliebe ward. Elisabeth,Tochter des Königs Andreas II. von Ungarn und Wittwe des in Apu-lien gestorbenen thüringischen Landgrafen Ludwig, ward durch ihrenSchwager Heinrich Raspe, der ihrem Sohne Hermann das Erbe desVaters entriß, von der Wartburg, dem Wohnsitze der thüringischenLandgrafen, verstoßen und verlebte, als dieser seine That bereut und seinUnrecht wieder gut gemacht hatte, ihre Tage zu Marburg unter Werkenchristlicher Liebe. Die Wirren steigerten sich durch die auch in Deutsch-land auftauchenden Häresicen und den zu wenig einsichtigen Eifer, mitwelchem der Dominikaner Konrad von Marburg, der Beichtvater derheiligen Elisabeth, ihre Verfolgung betrieb. Eine fernere Ursache viel-facher Unruhe war das Bestreben der Städte, sich der allmälig inLandeshoheit übergehenden Fürstengewalt zu entziehen und sich eine Ver-fassung zu geben, wonach die Ernennung der Obrigkeiten von der Bür-gerschaft ausginge. Dieses Bestreben, wovon der Kampf der StadtWorms gegen ihren Bischof das deutlichste und vollständigste Bild ge-währt, gewann um so mehr an Kraft, als die allgemeine Unsicherheitaußerhalb der Städte die Ansiedlungen in denselben begünstigte und selbstritterliche Dienstleute der Umgegend in die Bürgerschaft einzutreten