Das römisch-deutsche Reich im Zeitalter der Krcuzzügc. 347
des Glaubens unter die Moslemen zu tragen. Aus der Gefangenschaft,in die er gcrieth, entließ ihn der Sultan, und er ermahnte fortan dieKreuzfahrer zur Eintracht und verkündete ihnen das Verderben, das ihreUneinigkeit bringen müsse. Fortdauernde Uneinigkeit und die Furcht vorAngriffen Moattams führte den König nach Syrien zurück, und als erwiederkehrte und inzwischen eine deutsche Schaar unter Ludwig, demzweiten wittelsbachischen Baiernherzog, eingetroffcn war, richtete diegesammte Macht der Christen einen Angriff auf die Stadt Mansura,ward aber von den Moslemen zwischen zwei Arme des Nils einge-schlossen und mittelst Durchstechens von Dämmen bedrängt, so daß sie fürfreien Abzug die gemachte Eroberung in: Jahre 1221 opfern mußte.So endete der fünfte der größeren Krcuzzügc zur Schmach und zumNachtheile der Christen, weil das weltliche Haupt der Christenheit imentscheidenden Augenblicke nicht zum Handeln zu vermögen gewesen war«Nach den großen Opfern, die das Abendland vergeblich gebracht sah, ver-breitete sich Unmuth, und man klagte den Papst zu großer Nachsicht gegenden Kaiser an. Die Klagen des Papstes bewogen den Kaiser zu wie-- verholten Versprechungen, und nach des Papstes Wunsche verlobte ersich, da seine Gemahlin gestorben war, mit des Königs Johann TochterJolantha, wodurch er mittelst persönlicher Ansprüche auf das Reich Je-rusalem zur That getrieben werden sollte. Doch in beständigen Ver-handlungen erwirkte er sich immer neue Fristen, die er dann auch nichtbeobachtete. Den Grund davon bildete die Verfolgung seiner Absichtenim Süden und im Norden Italiens. In Sicilien bändigte er die seitlanger Zeit unruhigen Saracenen und siedelte ansehnliche Schaaren vonihnen in Apulien bei Nocera an, die in der Folge einen Haupttheilseines Heeres bildeten. Zugleich befestigte er in dem lange von Par-teiung zerwühlten Reiche seine Herrschaft durch gewaltsame Unterdrückungder Unzufriedenen, durch Anlegung vieler Burgen und durch Schmälerungder bisherigen Freiheit. Das Reich erhielt eine Verfassung, welche dasselbemit einem Netze kunstreich gegliederter Einrichtungen für Verwaltungund Rechtspflege überzog und dem Lehensadel einen neuen auf denverliehenen Aemtern beruhenden Adel entgegensetzte. Der Neichthumdes Landes und die Bedeutsamkeit seines Handels wurden bei der durch-greifenden und gleichmäßigen Besteuerung unerschöpfliche Quellen vonHülfömitteln für die Unternehmungen des Herrschers, und es fehlte nichtan Veranstaltungen, die natürlichen Vortheile auszubeuten. Damit aberauch geistiges Leben eine Wohnstätte im Lande habe, gründete Friedrichin Neapel eine Universität. Bei Aufführung des ganzen Gebäudeswaren die Rechte der Kirche, so sehr Friedrich bei der Unentschiedenheitder Verhältnisse im nördlichen Italien einen Bruch mit dem Papste zuverhüten wünschte, nicht geschont worden, und Vorzeichen eines Kampfes