346 Das römisch-deutsche Reich im Zeitalter der Krcuzzügc.
den Bischöfen ausgedehntere, eine völlige Landeshoheit vorbereitendeRechte verlieh. Doch beschwichtigte er den Papst durch neue Verspre-chungen, da er noch die Kaiserkrone zu erlangen hatte. In demselbenJahre fand der Römcrzug statt. Auf dem Durchzuge durch die Lom-bardei war das Verhältniß zu den Städten nicht entschieden worden.Diese hatten seit Heinrich VI. sich der Unterwürfigkeit immer mehr ent-wöhnt, und das Mast der ihnen obliegenden Verpflichtungen wollte sichnicht mehr nach dem Constanzer Frieden bestimmen lassen. Daher fandeine Krönung mit der italischen Königskrone nicht statt. In Nom er-kannte er des Papstes Rechte auf den Kirchenstaat in seinem ganzenUmfange an. Nach der Kaiserkrönung, die er mit seiner Gemahlin,Constantia von Aragonien, empfangen, gab er mehrere Gesetze. Einesderselben schützte die Freiheit der Geistlichen und der Kirchen gegenUebcrgrifse von Obrigkeiten. Ein anderes belegte, da namentlich inObcritalien mannigfache Häresiccn verbreitet waren, deren Anhänger mitharten Strafen. Die übrigen betrafen Schutz der Schiffbrüchigen, derPilger und der Landleute. Dann eilte er nach seinem südlichen Reiche,das er seit acht Jahren nicht gesehen, und blieb von nun an fünfzehnJahre von Deutschland fern, wo für den noch unmündigen Heinrich derErzbischof Engelbert von Köln die Geschäfte der Negierung führte. DieEreignisse des Morgenlandes forderten das Abendland immer lauter zurHülfe auf. Im Jahre 1217 hatte sich König Andreas II. von Ungarnzu einem Kreuzzuge in Bewegung gesetzt und war über Spalatro nachCypern und von hier, wo der dritte König des Landes, Amalrichs Bru-der Hugo, sich angcschlossen, nach Ptolemais gelangt. Das Haupt derEjubiden war jetzt nach Malek al Adels Tode dessen Sohn Moattam, !
der in Damaskus seinen Sitz hatte, während einer seiner Brüder, Kamel, j
sich mit Mühe gegen ihn in Aegypten behauptete. Die Unternehmungen !
der Christen bestanden in bloßen Streifzügen, und es schwächte sie im >
Jahre 1218 der Tod Hugo's, so wie die Rückkehr des kränkelnden An- z
drcas. Doch alsbald erschienen Schaaren von Niederdeutschen, An-wohner des Niederrheins und der Nordsee, von denen sich die Holländerauf ähnliche Weise, wie niederdeutsche Kreuzfahrer zur Zeit Konrads III.,in Portugal hatten aufhalten lassen, in den syrischen Häfen. Dakam der Gedanke, den schon die Theilnehmer des vorigen großen Kreuz-zuges gehabt, zur Ausführung, und es ward ein Angriff auf Aegyptengemacht, das auch für jenen mißlungenen französisch-venetianischen Kreuz-zug das Ziel gewesen war. Da in Folge der päpstlichen Bemühungenfortwährend Verstärkungen anlangten, gelang ungeachtet der Uneinigkeitzwischen dem päpstlichen Legaten und dem König Johann von Jerusalemim Jahre 1219 die Eroberung von Damiette. Vorher hatte sich imHeere der Christen der heilige Franciscuö eingefunden, um das Wort