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2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
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Das römisch-deutsche Reich im Zeitalter der Krcuzzüge. 345

Ziele abgelenkt worden und die Eroberung Constantinopels gab demUntcrnehmungsgeiste der Seestaaten eine noch entschiedenere Richtung aufHandelszwecke. In Syrien, wo nach Amalrichs II. und seines SohnesAmalrich III. Tode (1205 und 1206) Johann von Brienne als GatteJolantha's, der Tochter Jsabellens aus ihrer Che mit Konrad vonMontferrat, regierte, stand den Ejubiden gegenüber Alles auf dem Spiele,wenn nicht bald Hülfe aus dem Westen kam. Die Sehnsucht des christ-lichen Volkes, diese Hülfe zu leisten, hatte im Jahre 1212 den selt-samsten Kreuzzug, den Kreuzzug der Kinder, zuwege gebracht, indem manauf das Flehen der Unschuld ein wunderbares Eingreifen Gottes zu er-leben hoffte. Tausende von Kindern aus Frankreich und Deutschlandkamen nach Genua und Marseille, und während ein Theil in Roth um-kam, kehrte ein anderer Theil nach Hause zurück. Die Beschlüsse desConcils riefen neue Kreuzpredigten in's Leben und erleichterten durchmannigfache Bestimmungen die Theilnahme an der heiligen Sache. Diehauptsächlichste Hoffnung aber ruhte auf dem neuen Kaiser. Diesermußte mit ganzer Seele den kaiserlichen Beruf in seiner höchsten Be-deutung ergreifen und die Staatskunst seines Vaters verlassen, um dieBestrebungen seines Hauses von dem Ziele eigener Machtfülle wegzu-leuken und auf den Weg, den sein Großvater erst am Abende seinesLebens betreten, zurückzuführen.

12. Jene Hoffnungen gingen aber nicht in Erfüllung. Mit reichenAnlagen ansgestattet und im Besitze wissenschaftlicher Bildung, bemühtesich Friedrich, die Freiheit zu Verfolgung eigener Zwecke zu gewinnen.Diese lagen in seinem italischen Reiche, und sowohl Deutschland, als dieallgemeinen Angelegenheiten der Christenheit, hatten darunter zu leiden.So entwickelte sich ein Kampf zwischen ihm und dem apostolischen Stuhle,den er Anfangs mit den Waffen der List führte, in dem er aber in derFolge, da er seine Bestrebungen nicht mehr beschönigen konnte, eineoffen kirchenfeindliche Stellung um so mehr einnahm, als sein Lebens-wandel ihn mit den Gesetzen der Kirche entzweite. Die Versprechungender Ergebenheit und Treue, welche Friedrich noch nach dem ConcilJnnocenz gegeben hatte, wiederholte er gegen dessen Nachfolger, densanften Honorius III. Während derselbe jedoch, um wegen des Kreuz-zuges allgemeinen Frieden in der Christenheit herzustellen, die italischenSeestaaten, so wie die Könige von Frankreich und England, zu versöh-nen bemüht war, entzog sich seinen Absichten gerade Friedrich, der sichdurch ausdrückliche Erklärungen schon gebunden hatte. Ebenso handelteer einem Versprechen entgegen, das er in Bezug auf die TrennungSiciliens von Deutschland gegeben hatte. Er ließ nämlich im Jahre1220 seinen Sohn Heinrich, statt ihm das italische Königreich abzu-treten, zum römischen Könige wählen, was ihm dadurch gelang, daß er