344 Das römisch-deutsche Reich im Zeitalter der Kreuzzüge.
eine blutige Niederlage bei dem flandrischen Orte Bovines unweit Lille undzog sich nach seinen Erblanden zurück, wo er mit der Kirche versöhntim Jahre 1218 starb. Inzwischen hatte Friedrich im Jahre 1213 zuEger eine Urkunde, goldne Bulle genannt, ausgestellt, wodurch er derKirche die nöthigcn Bürgschaften gab, hatte den Herzog von Brabantzur Huldigung gezwungen und im Jahre 1215 zu Aachen durch denErzbischof von Mainz die Krönung empfangen. Die Bestätigung er-folgte im nämlichen Jahre auf dem zwölften ökumenischen oder viertenlateranischen Concil, dem glänzendsten aller bis jetzt gehaltenen, womitJnnocenz, der im Jahre 1216 starb, seine große Thätigkeit besiegelte.Für die Ausführung dessen, was hier beschlossen wurde, mußte man zu-gleich auf die Thätigkeit Friedrichs als künftigen Kaisers rechnen, undso erhielt derselbe hier die eigentliche Bezeichnung seiner Herrscher-aufgabe, an welcher er, der Zögling des großen Papstes, seinen Herr-scherberuf und das Verständniß der in den Verhältnissen der Zeit lie-genden Forderungen zu bewähren hatte. Es handelte sich dort um dieAngelegenheiten der Christenheit im weitesten Umfange, um Aufrecht-haltung der kirchlichen Freiheit, Einigung der Kirche, Befestigung desGlaubens, Verbesserung der Sitten und Vertheidigung des christlichenGebietes. Für die Aufrechthaltung der kirchlichen Freiheit hatten sichschon Aussichten geöffnet durch die Maßnahmen des Papstes und seineUebereinkünfte mit Friedrich. Zur Einigung der Kirche war ein großerSchritt geschehen durch die Begründung des lateinischen Kaiserthums inConstantinopel. Der Glaube war da, wo er durch Häresie angegriffengewesen, kriegerisch vertheidigt worden, und das Wort hatte zu vollenden,was das Schwert begonnen hatte. Die Verbesserung der Sitten war,wie sie die beständige Aufgabe der Kirche ist, eine Hauptfrage der Zeit,weil gerade da, wo die Kirche ihre Macht siegreich entfaltet, das Be-dürfniß, durch die Reinheit des Wandels ihrer Diener zu leuchten, amdringendsten ist, und zugleich jene Machtfülle selbst ihr in diesem BetrachteGefahren bereitet. Auch der Häresie konnte nur durch Reinigung derSitten im Klerus die Waffe völlig aus der Hand gewunden werden.Die Orden der Dominikaner und der Franciskaner, deren Ausbreitung vonder Kirche, ungeachtet sie die Vervielfältigung der geistlichen Orden zuhemmen für nöthig gefunden, zugegeben worden war, forderten durchihr Beispiel die übrigen Orden wie den Weltklerus zur Strenge auf, j
minderten den Zwiespalt zwischen den Geistlichen und Laien und traten ^
den Häretikern, die auf willkührliche Bibelauslegung die Forderung nachveränderten Zuständen gründeten, mit der buchstäblichen Erfüllung derGebote und Räthe des Evangeliums entgegen. Eine ganz besondereSorge mußte dem heiligen Lande zugewendet werden. Der erste Zug,der sich aus Jnnocenz' Betreiben in Bewegung gesetzt, war von seinem !