Das römisch-deutsche Reich im Zeitalter der Kreuzziige. 343
und die Herzogthümer Spoleto und Romania nebst der Mark Ancona.Mit diesen Wiedererwerbungen oder Necnperationcn war der zwei-deutigen politischen Stellung des Kirchenstaates ein Ende gemacht, welchedaher rührte, daß der Kaiser zu demselben als einem Jmmunitätsgebieteein doppeltes Vcrhältniß hatte, als Nachfolger derjenigen, die dem Ge-biete die Immunität zngestanden hatten, und als Beamter für diejenigenAngelegenheiten, deren Verwaltung weltliche Hände erforderte. Da-gegen wollte die Rccnperation der Mathildischcn Güter nicht gelingen,da die Ansprüche im Einzelnen nicht mehr nachweislich waren und derAdel der streitigen Gebiete sich auf die kaiserliche Seite neigte. Nurinsofern gewann Jnnocenz dem Herzoge Philipp von Tuscien Bodenab, als die tuscischen Städte mit Ausnahme Pisa'ö unter seinem Pro-tectorate und mit der Verpflichtung, die Rechte der Kirche zu wahren,einen Bund schlossen, zu welchem der Papst den Städten des Herzog-thums Spoleto zu treten mit Vorbehalt seiner Rechte gestattete. Nunhatte Jnnocenz sich auch mit dem Thronstreite in Deutschland zu be-schäftigen. Obgleich durch den Vortheil der Kirche mehr zu Otto hin-gezogen, suchte er die Entscheidung dadurch herbeizuführen, daß er diedeutschen Fürsten zur Einigung ermahnte und seinen schiedsrichterlichenSpruch nur in Aussicht stellte. Die Lösung erfolgte auf unerwarteteWeise, indem während des Bürgerkrieges Philipp auf dem babenbergi-schen Schlosse bei Bamberg im Jahre 1208 durch den baierischcn Pfalz-grafen Otto von Wittelsbach, Neffen des von Friedrich I. zum Herzogevon Baiern erhobenen Otto, in Folge einer durch persönliche Verhält-nisse entstandenen Nachbegierde ermordet wurde. Otto wurde nun förm-lich anerkannt, nachdem er die Freiheit der geistlichen Wahlen zuge-sichert, dem Spolienrechte entsagt und die Necuperationen bestätigt hatte.
11. Otto suchte sich die Partei der Hohenstaufen durch seine Ver-lobung mit Philipps Tochter Beatrix zu versöhnen und erhielt in Romdie Kaiserkrönung, ward aber den dem Papste gegebenen Versprechungenuntreu, wandte sich den einst von Arnold von Brescia gepredigtenGrundsätzen zu, griff sogar das italische Königreich der Hohenstaufenan und verfiel in den Bann, der unter Lösung der ihm geleisteten Eidebekannt gemacht wurde. Da erinnerte sich die hohcustaufische Partei inDeutschland der früheren Wahl Friedrichs und wählte ihn noch einmal.Der sicilische König erhielt im Jahre 1212 in Nom die Zustimmung desPapstes unter der Bedingung, daß Deutschland und Sicilien getrenntbleiben sollten. Otto konnte dessen Erscheinen in Deutschland nichthemmen, und schnell mehrte sich der Anhang des neuen Königs. Ottosuchte sich an den englischen König Johann und seine Bundesgenossen inNiederlothringen zu lehnen, erlitt im Jahre 1214 von einem Heere derFranzosen, mit deren König der Hohenstaufe das Bündniß erneuert hatte,