Druckschrift 
2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
Entstehung
Seite
340
Einzelbild herunterladen
 

340 Das römisch-deutsche Reich im Zeitalter der Krcuzzügc.

zu verwandeln und versprach dafür sein süditalisches Reich ihm einzu-verleiben. Zugleich bot er den geistlichen Fürsten Verzicht auf dassogenannte Spolienrecht, nach welchem unter vielfachem Widersprucheder Kirche die Kaiser bei Erledigung eines Bisthums die bewegliche Habedes Bischofs einzogen, und versprach den weltlichen Fürsten das Recht, dieNeichslehen, wo es nicht schon geschehe, auch auf weibliche Nachkommenzu vererben. Im Zusammenhänge mit diesem Plane stand das Vor-haben, eine Lehenshoheit des Kaisers über die Könige von Frankreichund England zur Geltung zu bringen. Doch der Widerstand der Fürstenwar nicht zu überwinden, und Heinrich konnte nichts erreichen, als daßsein dreijähriger Sohn Friedrich, den er mit Constantia in Palermozurückgelassen, im Jahre 1195 zu Worms zum römischen Könige erwähltwurde. Desto mehr beschäftigte ihn der Gedanke, seine Stellung alsHerr des ehemaligen Normannenstaates zu Ausbeutung der Vortheilezu benutzen, zu welchen das Meer einzuladen schien. Da der allgemeineZug jeden nach That oder Gewinn Verlangenden nach Asien wies,mußte sich Heinrich durch Betheiligung an den Kreuzzügen den Weg zuöffnen suchen, der seinem Hause eine immer wachsende Macht verhieß.In weiter Ferne lag vor dem Blicke des Kaisers das oströmische Reich,das durch die Normannen schon dreimal erschüttert worden war, demaber Schlimmeres bevorzustehen schien, wenn der Kaiser des Westens,der bisher durch das ungarische und das normannische Reich von dem-selben getrennt gewesen, nun als König des normannischen alle ihm zuGebote stehende Kraft gegen dasselbe richtete. Doch der Sturz des ost-römischen Reiches sollte von anderer Seite kommen, und es blieb beiAussendung eines Kreuzheeres, ohne daß Heinrich selbst an dem ZugeTheil genommen hätte oder durch denselben zu dem Papste in näheresVerhältniß getreten wäre. Er endete während eines dritten Aufent-haltes im Süden sein Leben in Messina im Jahre 1197 und fand erstspäter nach Lösung des Bannes sein Begräbniß in Palermo. Er wardurch die Erwerbung des neuen Reiches aus dem Kreise, in welchemsich bisher die Thätigkeit der Kaiser bewegt hatte, hinausgeführt. Schienmit jener Erwerbung erreicht, was die Kaiser seit Otto II. erstrebt, sowar dadurch der Fortgang der Auflösung in Deutschland und die Aus-bildung der landesherrlichen Gewalt in den einzelnen Gebieten begün-stigt. Durch die Rücksichtslosigkeit aber, mit welcher Heinrich die Mittelzur Erreichung seiner Zwecke wählt, leitet er sein Geschlecht auf dieabschüssige Bahn, auf der es seinem Verderben zueilt.

10. Doch ehe Heinrichs Sohn den Kampf der Willkühr gegen dieEinrichtungen, welche die Grundlagen der Christenheit bilden, mit ge-steigerter Gewaltsamkeit fortsetzt, tritt noch einmal das welfische Geschlechtdem hohenstaufischen in den Weg. Friedrich erhielt durch Bemühen