Das römisch-deutsche Reich im Zeitalter der Krcuzziigc. 337
Papstthum. Die glänzende Erwerbung, die Friedrichs lange Thätigkeitin Italien schließt, ist die Ursache von dem Untergange seines Geschlechts.Sie ist aber, indem Päpste hierbei Triebfedern sind, auch Ursache davon,daß das Papstthum unbeschadet der Erfüllung seines kirchlichen Berufesäußerlich eine neue, in den Augen der Völker minder vortheilhafte undseinem eigentlichen Wesen minder entsprechende Stellung erhält. Doches verging noch eine geraume Zeit, ehe der Ausgang die Bedeutungdes jetzt Begonnenen klar machte. Friedrich selbst war im Jahre 1184,nachdem er zu Mainz ein Fest von unerhörter Pracht zur Feier desin Constanz geschlossenen oder besiegelten Friedens gegeben, zum sechstenMale nach Italien gekommen. Während die in Verona beginnendenZwistigkeiten mit dem Papste ihn zu neuem Kampfe sich rüsten hießenund seinen Bemühungen um Constantia der Papst im Reiche der Nor-mannen entgegenwirkte, zeigte er gegen Mailand als neuen Verbündetengroße Freundlichkeit, welche wohl bestimmt war, abermaligem Anschlüssedesselben an den päpstlichen Stuhl vorzubeugen. In dem sicilischen Reiche,wo unter Wilhelm I. und seinem Sohne Wilhelm II. eine ganz orienta-lische Palast- und Günstlingsregierung eingetreten war, siegte der EinflußFriedrichs über den des Papstes, und im Jahre 1186 ward die Ver-mählung in Mailand gefeiert. Als im Jahre 1187 den Ausbruch neuenKampfes mit dem Papste der Tod Urbans verhindert hatte, erscholldurch Europa die Kunde von Saladins Siegen, und Gregor VIII. undClemens III. zeigten einen Eifer für Rettung des heiligen Landes, vordem alle andern Fragen zurücktraten. So war es dem Kaiser vergönnt,seine lange Laufbahn mit einer That zu enden, durch die er sich ebenso sehr der allgemeinen Sache der Christenheit anschloß, wie er früherauf einem besonderen Standpunkte Fugen in dem Ganzen der Christen-heit zu lösen beflissen gewesen war. Vielversprechend war der Zug, undglücklich war der Weg, der einst Konrad III. verderblich gewesen, durchdas Land der Ungläubigen zurückgelegt, da scheiterte auf christlichemGebiete, in dem armenischen Reiche Ciliciens, das Unternehmen durchden Tod des Kaisers.
9. Heinrich VI., des Kaisers ältester Sohn, hatte bei des VatersAufbruch unter mißlichen Umständen die Negierung übernommen. Heinrichden Löwen hatte Friedrich zwar in neue dreijährige Verbannung geschickt,aber schon im Jahre 1189 war er zurückgekehrt und hatte den Versuchbegonnen, in seinem Herzogthume wieder festen Fuß zu fassen. DasFehdewesen hatte überhaupt seit der Zersplitterung der großen Gebietebei allgemeinem Trachten nach Vergrößerung überhand genommen unddie von Friedrich im Jahre 1187 auf einem Reichstage getroffene Be-stimmung, daß jede Fehde drei Tage vorher angesagt werden sollte, ent-hielt neben einer Beschränkung zugleich eine förmliche Anerkennung des
Kiesel, Weltgeschichte. II. 22