ZZg Das römisch-deutsche Reich im Zeitalter der Krcuzzügc.
aber den Lehcnseid sowie Lieferungen für sich und sein Gefolge zufordern hatte. Nachdem so die roncaglischen Beschlüsse aufgegebcnwaren und die allmälig auf Kosten des Reiches erwachsene Ordnungstaatliche Geltung erlangt hatte, fingen die Verhältnisse zwischen demPapste und dem Kaiser sich wieder zu verwickeln an, da die ganzeRichtung von Friedrichs Staatskunst zu entschieden war, um durch denFrieden von Venedig gänzlich verändert werden zu können. Friedrichbegehrte von Alexanders Nachfolger, Lucius HI., auf einer Zusammen-kunft in Verona gegen den Sinn des Concils Bestätigung der in derZeit des Schisma's geweihten Prälaten und Krönung seines schon zumrömischen Könige gekrönten Sohnes zum Kaiser, ohne daß der Papst ^auf eine dieser Forderungen hätte eingehen können. Die Spannungsteigerte der Kaiser durch eigenmächtiges Verfahren bei einer Bischofs-wahl in Trier und durch Kundgebung von Eigenthumsansprüchen aufdie Mathildischen Güter. Zur Zeit des nächsten Papstes Urban III.hemmte er sogar den Verkehr der deutschen Bischöfe mit dem Papste undwar nahe daran, von Neuem mit dem Banne belegt zu werden. Zugleichhatte der päpstliche Stuhl für die Zukunft noch mehr von den Hohen-staufen zu befürchten, da Friedrich sich bemühte, für seinen Sohn Heinrich !König Rogers Tochter Constantia zur Gemahlin zu gewinnen, woransich der Plan knüpfte, die Krone des normannischen Reiches ohne Rück-sicht auf die päpstliche Lehenshoheit in sein Haus zu bringen. Die Aus-führung dieses Planes war die Vernichtung des Rückhaltes, den die !Päpste im Kampfe für Unabhängigkeit der Kirche an dem südlichenReiche gefunden hatten. Man drohte ihnen diesen Rückhalt zu nehmenmittelst Verletzung eines Verhältnisses, das sich zwischen ihrem Stuhleund den Normannen gegründet und wiederholentlich erneuert hatte.Die Päpste hatten, indem sie die Normannen durch Lehenspflicht ihremStuhle unterordneten, unsägliche Verwirrung im südlichen Italien beendet.Die Erweiterung der Christenheit nach dieser Seite war ihr Werk. Diedeutschen Kaiser waren unvermögend gewesen, in die dortigen Ereignisseeinzugreifen. Jetzt schien die Frucht dem, der sie gezogen, entgehen undin eine fremde, durch keine Pflege berechtigte Hand fallen zu sollen.Freilich feierte Friedrichs Staatskunst hiermit einen großen Sieg. Dieerwartete Erwerbung versprach dem Reiche neuen Glanz, dem Kaiser,dem sie nicht als Reichsgut, sondern als Familienbesitz gehören sollte,Erhöhung seiner Macht im Reiche. Aber indem sie ein Glied in derKette der Begebenheiten ist, welche das Verhältniß des Kaiserthumszur Kirche betreffen, und indem der Sieg, mittelbar wenigstens, über dasPapstthum erfochten wird, reißt sie das Papstthum in das Getriebeeiner Staatskunst, die nur mittelbar kirchlichen Zwecken dient. Derendliche Sieg auf diesem ihm neuen Felde der Staatskunst bleibt dem !