Das römisch-deutsche Reich im Zeitalter der Krcuzziigc. 333
des durch Verweigerung der Heeresfolge beleidigten Kaisers gegen denübermächtigen und übcrmüthigen Vasallen. Auf drei Reichstagen nachWorms, Magdeburg und Goslar vorgcladen, erschien Heinrich der Löwenicht. Der Kaiser, der an den durch Heinrichs Macht beunruhigtenFürsten eine starke Unterstützung hatte, sprach nach deren Urtheil dieReichsacht aus und begann, als Heinrich einer vierten Vorladung nachWürzburg auch nicht gefolgt war, im Jahre 1180 deren Vollziehungdurch anderweitige Vergabung der Lehen auf dem Reichstage zu Geln-hausen. Das Herzogthum Sachsen, zu dem Brandenburg und Thüringennicht mehr gehörten, ward auf einem Reichstage zu Würzburg so getheilt,daß der westliche Theil unter dem Namen Wcstphalcn und Engern unterden Erzbischof von Köln zu stehen kam, Ostphalen aber, wo diewelfischen Alode, die Gebiete von Braunschweig und Lüneburg lagen,als Herzogthum Sachsen an Bernhard, den zweiten Sohn Albrechtsdes Bären, überging, während dessen ältester Sohn Otto des VatersNachfolger in Brandenburg ward. So war eine Zersplitterung einge-leitet, wie sie in Franken schon unter Lothar und Konrad III. begonnenhatte und sich in der Folge bei den übrigen Herzogthümern wiederholte.Die Zersplitterung des Herzogthums Sachsen schritt aber noch weiterfort, indem die Markgrafen von Meißen und von der Lausitz, die Grafenvon Anhalt und von Holstein, nebst vielen geistlichen Besitzungen eben-falls von der herzoglichen Gewalt frei wurden oder eine durch denVerfall der Gauverfassung allmälig erworbene derartige Freiheit befestig-ten. Dieselbe Erscheinung erstreckte sich, ohne daß die Sache Heinrichsunmittelbar so weit gewirkt hätte, nach Niederlothringen hin, wo es mitJülich, Cleve und Berg ebenso erging. In den durch Heinrich erst demHerzogthume erworbenen Gebieten an der Ostsee, die schon durch An-siedler von der Nordseeküste sich zu germanisiren angefangen, entstandenneue reichöunmittelbare, d. h. nur dem Kaiser untergebene Gebiete,Mecklenburg und Pommern, und die von Heinrich angelegte HafenstadtLübeck, die ein älteres Lübeck ersetzte, als freie Reichsstadt. Der Länder-besitz, der auf diese Weise mit dem Titel eines Herzogs von Sachsenverbunden blieb, war demnach beschränkt auf ein Gebiet an der mitt-leren Elbe und den in sie mündenden Flüssen Saale und Mulde undein rechts von der unteren Elbe gelegenes Gebiet, das nach der vonHerzog Bernhard erbauten Stadt Lauenburg benannt wurde. DieserVerwandlung widersetzte sich Heinrich mit Waffengewalt, aber der Kaiserbrachte mit einem Reichsheere die Acht in Vollzug, wobei ihn außerden bei der Vertheilung Sachsens bedachten Fürsten auch Waldemar,der seinem alten Bundesgenossen Heinrich Hülfe versagt hatte, unter-stützte. Von einer Betheiligung des dänischen Königs an den Erobe-rungen war indessen, so freundlich ihn auch der Kaiser in Lübeck empfing,