328 Das römisch-deutsche Reich im Zeitalter der Kreuzziige.
Hungen und für die Erhaltung ihres eigentlichsten Charakters. DenKaiser aber riß, da er das Sachverhältniß verkannte, der Eifer der-jenigen immer weiter fort, die, wie Reinald, von dem Siege Alexandersden Verlust einer auf dem Wege des Unrechts erworbenen Stellungzu erwarten hatten. In Italien brachte die Willkühr der kaiserlichenBeamten, die die Rechtspflege verkauften und ihrer Habsucht auf Kostender Städte dienten, die größte Gereiztheit hervor, und als der Kaiserim Jahre 1163 ohne Heer zum dritten Male in Italien anwesend war,konnte er die Unzufriedenheit nicht dämpfen, die Verwirrung nicht losen.Im östlichen Theile von Oberitalien kam unter dem Einflüsse Venedigsdie Gähruug zuerst zum Ausbruche. Venedig, zwischen vier Reiche, dasrömisch-deutsche, das normannische, das ungarische und das oströmische !gestellt, war angewiesen auf die Kunst, keines derselben zu einer bedroh-lichen Macht gelangen zu lassen. Wie es den Kaiser Manuel erst gegenRoger unterstützt, dann, als jener die Sprache eines Gebieters zu führenbegonnen, mit dem normannischen Reiche Frieden gemacht hatte, sah essich jetzt veranlaßt, an der Errichtung eines Bollwerks gegen den west-lichen Kaiser zu arbeiten. Auf seinen Betrieb schloffen die vier StädteVerona, Padua, Vicenza und Treviso den Veroneser Bund und verjagtendie kaiserlichen Beamten, worauf Friedrich, der die Bewegung nichtersticken konnte, Italien verließ, um mit einem deutschen Heere wieder-zukehren. In seiner Abwesenheit kam Alexander, der sich in Montpelliereingeschifft, von Messina, wohin er sich vor verfolgenden Pisanern ge-rettet, über Ostia nach Nom zurück, wo er durch die Normannen unter-stützt sich behauptete. Unter seinem Einflüsse begann sich der Bund zueinem allgemeinen lombardischen Bund zu erweitern. Der Kaiser, derzum Kampfe mit Alexander auf die Kräfte Deutschlands wollte zählenkönnen, bestärkte seine Anhänger durch den auf der Fürstenversammlungzu Würzburg im Jahre 1165 geleisteten Schwur, daß er nie Alexanderoder einen seiner Partei als Papst anerkennen werde. Ermuthigt durchdie Nachricht, daß der König von England, der wegen eines kirchlichenStreites in seinem Reiche mit Alexander zerfallen war, zu ihm haltenwerde, erzwang er den Lehenseid von den versammelten Bischöfen undverfuhr gewaltsam gegen die auf ihrer Weigerung beharrenden Erz-bischöfe von Salzburg und Mainz, von denen der erstere geächtet, derzweite durch den sehr weltlichen und nur zur Heerführung brauchbarenPropst von Merseburg, Grafen Christian von Buch, ersetzt wurde. Soschien die Gefahr, daß in Deutschland eine Partei für Alexander sichbilde und ein Geschick, wie das Heinrichs IV., dem Kaiser nahe, besei-tigt. Im Jahre 1166 erschien Friedrich, nachdem er die ErzbischöfeReinald und Christian vorausgesendet, zum vierten Male in Italien,zum dritten Male mit Heeresmacht. In Lodi hörte er Klagen der