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2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
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Das römisch-deutsche Reich im Zeitalter der Krcuzzüge. 321

Geist äußerte eine Rückwirkung auf Nom, welche durch die von Bolognaaus verbreitete Kenntniß altrömischer Verhältnisse verstärkt wurde.Eine Sehnsucht nach Wiederkehr des republikanischen weltbeherrschendenNoms bemächtigte sich der Römer, wie Kaiser Otto III. von Sehnsuchtnach Herstellung des römischen Kaiserreichs erfüllt gewesen war. DieVerwirklichung ihrer Träume schien ihnen hauptsächlich durch den Papstgehindert, dessen Herrschaft auch durch seine Verbindung mit dem Nor-mannenkönige in Widerspruch mit den Bildern altrömischer Größe trat.Gesteigert wurde die Abneigung gegen die päpstliche Negierung und dasungestüme Verlangen nach Unabhängigkeit noch durch einen SchülerAbälards, Arnold von Brescia, der selbst Geistlicher war und durch Un-bescholtenheit und Bercdtsamkeit großes Ansehn gewann. In Entrüstungüber die vielfach im Klerus vorfindliche Entartung stellte er das aposto-lische Zeitalter als Muster auf und forderte auch in den äußeren Ein-richtungen Rückkehr zu dessen Einfachheit, woraus sich eine Verwerfungalles Besitzes der Kirchen und der Geistlichen ergab. Mit seinen aufdieses Ziel gerichteten Predigten weckte er im Volke große Lust nachBesitznahme geistlichen Gutes und schürte eine empörerische Stimmung.Jnnocenz hatte ihm auf dem Concil des Jahres 1139 Schweigen auf-erlegt und er war einstweilen über die Alpen nach dem südlichenDeutschland gegangen. Die Römer aber sagten im Jahre 1143 demPapste den bürgerlichen Gehorsam auf und wählten einen Senat, imfolgenden Jahre unter Jnnocenz' zweitem Nachfolger Lucius II. aucheinen Patricius, dem der Papst alle Regalien überlassen sollte. Luciusfiel bei einem Versuche, das Capitol, den Sitz des Senates, mit Ge-walt zu nehmen, und sein Nachfolger Eugenius III., ein Schüler desheiligen Bernhard, hatte den Kampf sortzusetzen, zumal Arnold nachRom zurückgekehrt war. Während Arnold den Pöbel zu Gewaltthatenund Räubereien reizte, ging, da ein mächtiger Arm zur Begründungder neuen Verhältnisse nothwendig schien, eine Gesandtschaft an KönigKonrad, ihn Namens des römischen Senates und Volkes einzuladen,daß er seinen Sitz in Nom nehme, wo durch den Sturz der päpstlichenNegierung die Herstellung des römischen Reiches möglich geworden sei.Konrad, der auch von dem Papste um Hülfe angegangen war, durch-schaute das selbstsüchtige Treiben der Römer, kam aber, durch die hei-mischen Verhältnisse gehindert, nicht nach Italien, und Eugen mußte inFrankreich Zuflucht suchen, während der heilige Bernhard mit geistigenWaffen die in Rom zur Herrschaft gelangte Thorheit bekämpfte. Sosehr aber Konrad sich der Herstellung der Ordnung in Deutschlandwidmete, gelang doch dem heiligen Bernhard das Unerwartete, ihn zudem Kreuzzüge fortzureißen. Es wurde vorher ein allgemeiner Land-friede beschworen, Welf schloß sich dem Zuge an, das Heer nahm eineKiesel, Weltgeschichte. II. 21