310 Die Kreuzziigc und der Osten im zwölften Jahrhundert
christliches Leben, christliche Einrichtungen feste Begründung und bei auf-tauchenden Gefahren standhafte Vertheidigung verlangten. Die erhöhteund erweiterte Thätigkeit, für die sich dem Mönchthum ein Feld öffnete,brachte außer der Erneuerung, deren viele Klöster bedurften, auch dieEntstehung neuer Orden zuwege, von denen jeder durch die sein Lebenbestimmende Regel in eigner Weise allgemeinen menschlichen Gebrechenoder besonderen in der Zeit hervortretenden Verirrungen sich entgegen-setzte oder entgegenwirkte. Unzufriedenheit mit den Benediktinern, dieden Gefahren eines durch Stiftungen sehr anwachsenden Reichthumsnicht immer widerstanden, und deren Hauptkloster Clugnp eine Erneue-rung der Zucht bedurfte, führte im Jahre 1098 zur Stiftung einesKlosters zu Cistertium oder Citeaur im französischen Herzogthum Bur-gund , und die Genossenschaft dieses Klosters ward die Grundlage desneuen Ordens der Cistercienser, der durch Strenge und Einfachheit, sowiedurch Entfernung von weltlichen Angelegenheiten, ein erneuertes Mönch-thum darstellen sollte. Nach einem Anfangs langsamen Wachsthume ;gelangte der Orden um die Mitte des zwölften Jahrhunderts zu großerBedeutung durch die Größe des aus ihm hervorgegangenen heiligenBernhard, der nach dem von ihm gestifteten neuen Kloster Claravallisoder Clairvaux an der Aube in Champagne benannt zu werden pflegt. !Dieser Mann, der den zweiten der großen Kreuzzüge bewirkt hat, warder Nathgeber der Päpste, der Vertheidiger ihres Ansehns, der Ueber-winder von Sekten, der Bestreiter wissenschaftlicher Verirrungen, der !Friedensstifter zwischen Fürsten und Völkern, und als er im Jahre 1153 ^
starb, war sein Orden über alle christlichen Reiche verbreitet. Einenoch größere Strenge bildete sich in dem Orden der Karthäuser aus,den ein Geistlicher zu Rheims, Bruno aus Cöln, im Jahre 1084 beiGrenoble in Cartusium oder Chartreuse stiftete. In beständigem ^Schweigen, Enthaltung von Fleischspeisen, Tragen eines rauhen stechendenGewandes sprach sich die Stärke des Gegensatzes aus, in den der Ordenzu der Welt trat, und die große Verbreitung, die er ungeachtet dieserStrenge erhielt, zeigte es, wie sehr er einem in tieferen Gemüthern !wohnenden asketischen Bedürfnisse begegnete. Die größten Helden desrein geistlichen Ritterthums wurden die Bettelmönche. Im Anfänge desdreizehnten Jahrhunderts brachte das Auftreten häretischer Lehrer, diesich mit Hinweisung auf eine durch Besitz eingetretene Verweltlichungder Kirche zu rechtfertigen suchten und durch eine schwärmerische Ascetikum so leichter verführten, den Gedanken zur Reife, die neuen Feindeder Kirche durch das Beispiel sittlicher Strenge und vollständiger Ent-behrung, sowie durch das belehrende Wort, zu bekämpfen, und diesemGedanken entsprangen zwei Orden, welche durch friedliche Kreuzzügedie mit dem Schwerte bereits bekämpften Abtrünnigen vollends zu über-