und die Bildung des Abendlandes in der Zeit der Kreuzzuge. 311
winden trachteten. Die Franciskaner und die Dominikaner, die einen durchden heiligen Franciscus von Assisi, die andern durch den heiligen Domi-nicus aus Calaroga in Altkastilien, beide unter Papst Jnnocenz III.gestiftet, hatten gänzliche Armuth zum unverbrüchlichen Grundsatz underweiterten die klösterliche Wirksamkeit durch Theilnahme an der Seel-sorge und durch fortwährende Predigt des göttlichen Wortes. Nebendiesen Orden bestanden, ohne gleich mächtig in das öffentliche Lebeneinzugreifen, noch eine Anzahl anderer, und mehrere von verwandterArt wurden im Jahre 1256 durch Papst Alexander IV. unter demNamen der Augustiner-Eremiten durch eine gemeinsame Regel vereinigt,so daß auch in ihre Beaufsichtigung und Leitung Einheit kam.
15. Wie die Geschichte der Orden einen sehr wesentlichen TheilLn der Geschichte der auf Entfaltung christlicher Gesinnung und Thatgerichteten Bestrebungen bildet, gehört sie auch der Geschichte derWissenschaft an. Ueberhaupt ist der Zeitraum der Kreuzzüge eine Zeitregen wissenschaftlichen Strebenö. Die Erweiterung des Wissensgebietesfügte zu den der allgemeinen Bildung dienenden Schulen kirchlichenUrsprunges neue, sogenannte Universitäten, hinzu, die an einzelnen Orten,wo Schulen der elfteren Art schon waren, dadurch entstanden, daß sichum hervorragende Männer einer Wissenschaft Lernende aus Nähe undFerne sammelten, und die Gesammtheit der Lehrenden und Lernendendurch besondere Gesetze zu einer eigenen Körperschaft verbunden wurde.So war Salerno eine hohe Schule für Arzneikunde, Bologna eine hoheSchule für Rechtswissenschaft. Am wichtigsten für die Bildung derZeit wurden wegen ihres Einflusses auf religiöse Erkenntniß und reli-giöses Leben die Wissenschaften der Philosophie und der Theologie, fürwelche Paris die bedeutendste Schule hatte. Die Philosophie war mitder Theologie enge verbunden, weil sie entweder die Verdeutlichung undwissenschaftliche Aneignung und Verarbeitung der kirchlichen Lehre zurAufgabe hatte oder doch ihre eigenen Ergebnisse mit der kirchlichen Lehrein Einklang zu setzen bemüht war. Die zu Universitäten erweitertenkirchlichen Schulen wurden durch eine immer mehr sich verbreitendephilosophische Thätigkeit Uebungsplätze, wo sich in rastloser Uebuug undvielfachster Anwendung ein hoher Scharfsinn ausbildete. Dieser Thätig-keit, die den Glauben zum Wissen zu erheben und Glauben und Wissenzu versöhnen suchte, und mit dem Namen der Scholastik bezeichnet wurde,ging zur Seite eine andere, gleichfalls der Religion dienende, die Mystik,welche die Vereinigung und Verähnlichung mit Gott auf dem Wege deschristlichen Lebens zu erreichen und für diesen Zweck die Kräfte des Ge-müthes zu einer tiefen und möglichst unmittelbaren Erfassung der Wahrheit,zu einer Erfassung durch Anschauung und Betrachtung zu stärken suchte.Die beiden Bestrebungen, die scholastische und die mystische, geriethen nicht