und die Bildung des Abendlandes in der Zeit der Krcuzzügc. 309
oströmischen Reiche, wie in Asien, eine neue Welt mit ungekanntenSchätzen und ungekannter Pracht erschloß und ihrer Einbildungskrafthöhere Thätigkeit gab, da der vielseitige Verkehr Sagen und Ge-schichten in raschen Umlauf setzte und reichlichen Stoff zum Nachdenkenlieferte, da die ganze Bewegung die Kräfte des Gemüthes und desGeistes höher spannte und so eine Nöthigung mit sich brachte, den Blicknicht auf Gegenwart und Wirklichkeit zu beschränken. Da aber dieritterliche Dichtung der Entwicklung und Ausbildung der Landesspracheneinen mächtigen Anstoß gab, erscheinen die Kreuzzüge zugleich für diesenTheil der Völkerbildung als ein bedeutender Hebel. In Deutschlandwar dieser Anstoß so mächtig, daß das Volk, ungeachtet es von derRitterdichtnng nicht angezogen wurde, doch in ihr die Anregung fand,halbverschüttete Neste von Sagen aus heidnischer Zeit aufzugraben undmit der sprachlichen Kunst, in welcher die Ritterdichtung als Musterdiente, zu erneuern. Die erste Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts isthier die Blüthezeit der Dichtung und an den Wohnsitzen vieler Fürsten,wie ganz besonders am Hofe des Landgrafen Hermann von Thüringenauf der Wartburg am Anfänge des Jahrhunderts, ist der Gesang einHaupterforderniß bei den Festen, mit welchen das Leben in der Zeitder Waffenruhe verschönert werden soll.
14. Unmittelbarer, entscheidender und nachhaltiger als das Ritter-thum diente der Kirche das Mönchthum, das in dem Zeitraum derKreuzzüge einen neuen Aufschwung nahm. So wie es im Morgenlandedurch seine Verbindung mit dem Nitterthum sich den Bemühungen umErweiterung christlichen Gebietes angeschlossen hatte, fand es im Abend-lande ein großes Feld der Thätigkeit an Bekämpfung innerer Feindeder Kirche. Die Wirksamkeit Gregors VII. hatte einen Geist erweckt,welcher der Einkehr des Menschen in sich selbst günstig war und Vieleantrieb, in klösterlicher Stille sich zu einer Wirksamkeit, die auf inneresErstarken der Kirche gerichtet sei, vorzubereiten. Die Kreuzzüge gaben,indem sie den religiösen Eifer belebten, auch Anlaß zur Einrichtungeines rein geistlichen Ritterthums für Abwehr der Gefahren, womitFeindschaft der Kaiser, Verirrung der Wissenschaft und ketzerische Aufleh-nung die Kirche bedrohte. Das Mönchthum trat aus den Klösternheraus, wandelte lehrend und ermahnend unter dem Volke und hemmteden Einfluß, den Bestrebungen der Auflösung und Zerstörung auf das-selbe üben konnten. Der Eifer für die Eroberungen in der Fernemußte den Eifer für die in der Nähe noch zu machenden Eroberungenerhöhen, da man durch die Kreuzzüge daran erinnert wurde, wie wenigdas Heidenthum in Europa schon überwunden sei, wie in den jüngstbekehrten Ländern Neste des Heidenthums mit der Wahrheit im Kampfeständen, wie in den längst christlichen Gebieten christliche Erkenntniß,