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2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
Entstehung
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ZY8 Die Krcuzzüge und der Osten im zwölften Jahrhundert

13. Das Nitterthum hat sich mit allen seinen ELgenthümlichkeitenauch in einer aus seiner Mitte hcrvorgegangenen Dichtung abgespiegelt.Eine den alten Germanen schon eigene Neigung, Thaten der HeldenLn Liedern zu feiern, war den Eroberern der römischen Provinzen inihre neue Heimath gefolgt, aber erst die allmälige Entwicklung derLandessprachen gestattete eine kunstmäßige Gestaltung der Dichtung undmachte die Entstehung besonderer Literaturen möglich, welche lange Zeitsich auf die Dichtung beschränkten, während die lateinische Sprache fürdas romanische und germanische Europa die allgemeine Sprache derWissenschaft blieb. Am frühesten war dies der Fall auf dem Gebieteder provenyalischen Sprache, das außer der südlichen Hälfte von Frank-reich auch das mit der eigentlichen Provence und andern südfranzösischenLandschaften durch dynastische Verbindungen zusammenhängende nordöst-liche Spanien umfaßte. Hier waren schon im Anfänge des zwölften Jahr-hunderts Dichtung und Musik die Würze geselliger Unterhaltung an denHöfen, und zu den dortigen Dichtern, die man Troubadours oder Erfindernannte, gehörten viele der angesehensten Herren des Landes. HierWurden in Liedern Nitterthum und Frauenliebe gefeiert und Wünscheund Aufforderungen in Bezug auf das Leben der Zeit, Theilnahme undFreude, Unwillen und Rüge aus Anlaß gleichzeitiger Begebenheitenausgesprochen. Neben dieser lyrischen Dichtung des Nitterthums, dieim Süden Frankreichs ihren Ursprung hat, entwickelte sich in Nord- >frankreich und England eine ritterliche Epik, die theils an Karl denGroßen und an Artus, einen Fürsten der durch die Sachsen in denWesten Englands zurückgedrängten Britten, Erzählungen, wie sie demSinne der Zeit entsprachen, anknüpfte, theils Helden, die aus derlateinischen Literatur bekannt waren, wie Aeneas und Alexander denGroßen, zu Helden im Sinne der Gegenwart umgestaltete. Hierzu kamals ein Stoff, durch dessen Behandlung wenigstens in sinnbildlicher ^Weise das Nitterthum sich in seiner religiösen Bedeutung zeigen ließ, ^die Sage von dem heiligen Grale oder der von dem Heilande bei dem ^Abendmahle gebrauchten Schale, um deren Besitz, weil daran der höchsteSegen sich knüpfte, Ritter sich mit größter Beharrlichkeit bemühten.Die ritterliche Dichtung, die von Rittern gepflegt wurde und das ritter-liche Leben der Zeit spiegelte, verpflanzte sich in dem durch die Kreuz-züge vermittelten Verkehr aus Frankreich nach Deutschland und trat hierim Laufe des zwölften Jahrhunderts allmälig an die Stelle einer vonGeistlichen gepflegten, auch ihrem Inhalte nach geistlichen Dichtung,welche mit der Erzählung der heiligen Geschichte und der Erörterungchristlicher Lehre die deutsche Sprache seit Ludwigs des Frommen Zeitenerzogen hatte. Auf die Belebung der ritterlichen Dichtung hatten dieKreuzzüge den hauptsächlichsten Einfluß, da den Kreuzfahrern sich im