und die Bildung des Abendlandes in der Zeit der Kreuzzüge. 307
Leben der Ritter auch in Zeiten des Friedens Regeln unterwerfen, die ebennur in dem Stande selbst Gültigkeit und Anwendung statten. BesondereFormen des geselligen Verkehrs entsprachen dem Wertste, welchen manaus das genossenschaftliche Zusammengehören und die in der Genossen-schaft herrschenden Vorzüge legte. Da aber diejenige Bildung, welcheein weiterer Gesichtskreis, eine reichere Lebenserfahrung, ein größererBesitz zu geben vermag, vorzugsweise den Kreisen des Rittertstumsangestörte, waren es auch besondere Gedanken, welche dasselbe beherrschten,und es trat der geistlichen Bildung, welche auf der Verfolgung derernstesten Lebenszwecke, auf der Arbeit für das Heil der Seelen undans der Pflege der Wissenschaft beruhte, eine andere, die ritterliche, zurSeite, deren Hauptmerkmal ein verfeinerter Lebensgenuß war. Zudieser Verfeinerung trugen bei die tsteilnestmende Betrachtung, welchesich auf die staatlichen Verhältnisse richtete, die Erinnerung, welche manvon früheren Erlebnissen hatte, die Ehre, welche bei Kampfspielen zugewinnen war, die Feste, mit welchen Ereignisse des ritterlichen Lebensin größeren oder kleineren Kreisen gefeiert wurden. Was aber derThätigkeit des Gemüthes den größten Antheil an dieser Verfeinerungdes Lebens sicherte, war das Verhältniß zu den Frauen. Wie dasChriftenthum das ganze Verhältniß der Männer zu den Frauen veredelthatte, war es im Nitterthume allgemeiner Grundsatz geworden, daßnicht allein Beschützung der Frauen eine Pflicht sei, sondern auch durchfreiwillige Unterwerfung ritterlichen Thuns unter weiblichen Willen denFrauen die Huldigung dargebracht werden müsse, welche ihnen alsPflegerinnen häuslichen Glücks und häuslicher Sitte gebühre. Es ent-stand daraus die Gewohnheit, ritterliche Thaten des Ernstes und desScherzes im Aufträge von Frauen auözuführen und in ihrem BeifallLohn und Ehre zu suchen. Die Schwierigkeit eines Unternehmenssteigerte den Reiz, und Frauen fühlten sich durch die Thaten geehrt,welche von Rittern ohne andern Zweck als den ihres Beifalls, bloß inFolge des von ihnen geäußerten Wunsches ausgeführt wurden. Soartete das Bestreben, die Frauen zu Gebieterinnen über ritterlichesThun zu erheben, in eine eitle Tändelei aus, die nicht selten ein ord-nungswidriges Verhältniß zu den Frauen im Gefolge hatte. Denn dabei Ausübung dieser Sitte Jeder, um des erstrebten Beifalls froh zuwerden, sich in den Dienst einer bestimmten Frau stellte, trat oft derRitter zu der Frau in ein Verhältniß, das durch ungeziemende Ver-traulichkeit eben so sehr einer christlichen Lebensweise widersprach, wiedie Verehrung der Frauen im Allgemeinen christlicher Auffassung ent-sprungen war. Diese Richtung des ritterlichen Lebens hat zuerst inFrankreich an den Höfen der Ritter ihre Ausbildung erhalten, woher sieauch mit dem Namen der Courtoisie bezeichnet wird.
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