Z06 Die Krcuzziigc und der Osten im zwölften Jahrhundert
Förmlichkeiten entwickelt, wodurch die ritterliche Betreibung des Waffen-bandwerkes sich auszcichnete, auch eine Verpflichtung zu menschlicherKampfeswcise, zur Beschützung der Bedrängten, zur Vertheidigung der jReligion sich festgestellt, so prägten die Kreuzzüge dem Ritterthum denhöheren Adel eines Kampfes für Verbreitung des Christcnthumes auf ^und versöhnten die aus einer roheren Zeit herabgecrbte Kampfeslust ^mit den Forderungen christlichen Lebens, daß der Gebrauch des Schwerteseinerseits beschränkt und anderseits auf dem ihm überlassenen Feldeveredelt ward. Der Geist, der in der Bildung der geistlichen Ritter-orden seinen schärfsten Ausdruck gefunden, ward überhaupt der des ,Nitterthums. Auch fand eine Wirksamkeit, wie sie das Nitterthum imMorgenlande hatte und wie es sie in Spanien längst gehabt hatte, imLaufe der Zeit weitere Verbreitung, indem gewaltsame Empörungengegen die Kirche und Widerstand heidnischer Völker gegen die Bekehrungin ähnlicher Weise, wie die Saracenen, eine Thätigkcit des christlichenRitterthums veranlaßten. Freilich erwiesen sich nicht überall die Grund-sätze des christlichen Nitterthums gleich wirksam, und oft genug setztensich selbst bei den Unternehmungen, die seinen höchsten Ideen entsprachen,an die Stelle des obersten Zweckes andere untergeordnete und selbstischeZwecke, wie die Geschichte der ritterlichen Reiche im Osten beweiset.Doch war die ganze Idee des christlichen Nitterthums eine fruchtbare,in sofern durch sie die Forderung, mit sinnlichen Mitteln der Begründungeiner höheren Ordnung zu dienen und der Verbreitung übersinnlicherGüter vorzuarbeiten, lebendig erhalten wurde. Der Geist, der die sinn-liche Erscheinung zum Ausdrucke von Uebersinnlichem machte, von dervorherrschenden Betheiligung romanischer Völker der romantische genannt,schuf dem Bewußtsein von höheren gemeinsamen Zwecken, so oft die-selben im Drange leidenschaftlicher Unruhe vergessen werden mochten, idoch immer wieder eine Erneuerung. Mag die nüchterne Betrachtungspäterer Zeiten in dem Nitterthume, wie die Kreuzzüge es ausgebildethaben und in der Anschauung, die ihm zu Grunde lag, einen nicht aus-zugleichenden Widerspruch finden, so konnte ein solcher doch erst erkanntwerden, als man die verfolgten Ziele unerreichbar gefunden hatte.Ehe die Erfahrung durch Vereitelung des nächsten Zweckes der Kreuz-züge diese Lehre gegeben, war es nur Weisheit, daß die Kirchedie Verwendung einer stürmischen, Befriedigung suchenden Kampfes-lust für geistige Zwecke, die damals noch erreichbar schienen, begünstigte.Eine abgesonderte Stellung nahm aber die Ritterschaft nicht bloßim Kriege, sondern auch im Frieden ein. Schon die Sorgsamkeit,womit man den geschlossenen Stand vor dem Eindringen Unwürdigerzu bewahren und die in ihm geltenden Grundsätze durch strenge Beob-achtung von Förmlichkeiten lebendig zu erhalten suchte, mußten das