288 Die Kreuzziige und dcv Osten im zwölften Jahrhundert
Gewinn. Wie jene Städte im Großen, verfuhren Tausende im Kleinen.Diejenigen, die in der Hcimath ihre Verhältnisse zerrüttet sahen, die-jenigen, die von Gewinnsucht in die Fremde getrieben wurden, diejenigen,die sich dnrch Verbrechen mit der staatlichen Ordnung entzweit hatten,füllten das heilige Land mit einer Bevölkerung, die der christlichen Sacheso wenig Hülfe als dem christlichen Namen Ehre brachte.
4. Unter der Menge von Kreuzzügen treten sieben als so bedeutendhervor, daß sie die Hauptglieder in der langen vielgliedrigen Kette derUnternehmungen genannt werden können. Der erste hatte die Begrün-dung eines christlichen Reiches in Syrien zum Ergebnisse. Der zweiteund dritte entsprangen dem Verlangen, dasselbe vor drohendem Sturzezu bewahren, aber der zweite konnte den Verlust, um dessentwillen erunternommen worden war, nicht ersetzen, und der dritte rettete nur einenTheil des hart bedrängten christlichen Gebietes. Der vierte ward vonseinem Ziele abgelenkt und brachte eine Umgestaltung des oströmischcnReiches hervor, durch welche sich hier in ähnlicher Weise, wie es durchden ersten in Syrien geschehen war, abendländische Staatseinrichtungenin die Fremde verpflanzten. Während sich die Geschichte dieser vierZüge leicht aus der Geschichte der abendländischen Reiche als ein Ganzesaussondcrt, sind die drei übrigen tiefer in die Geschicke des Abendlandesverflochten, stehen mit den Bestrebungen der Fürsten, von denen sie aus-gingen, im engsten Zusammenhänge und bezeichnen durch die Verhältnisse,unter denen, und die Art, in welcher sie vor sich gingen, einen zweitenAbschnitt in der Geschichte dieser Unternehmungen. Der in Clermontentzündete Eifer hatte zunächst Frankreich und von Deutschland dieRheingegenden ergriffen. Keiner der weltlichen Regenten stellte sich andie Spitze des Zuges, und Papst Urban II., dem die Verhältnisse eben-falls das Mitziehen nicht gestatteten, ernannte den Bischof Ademar vonPuy, der zuerst sich in Clermont mit dem Kreuze bezeichnet hatte, zuseinem Legaten bei dem Zuge. Unter den Fürsten, welche sich zurTheilnahme anschickken, ragten hervor Graf Raimund von Toulouse,Graf Robert von Flandern, Herzog Robert von der Normandie, derSohn Wilhelms des Eroberers, und Hugo von Vermandois, der BruderKönig Philipps, und der Herzog von Niederlothringen, Gottfried vonBouillon. Zwei Glieder des Hauses Robert Guiskards schlossen sichan, Boemund, der nach des Vaters Tode seinem jüngeren von demsicilischen Roger unterstützten Bruder Roger Bursa den größeren Theildes Landes hatte überlassen müssen und von Tarent aus ein Gebiet imSüdosten Italiens beherrschte, sowie sein Neffe Tankred. Die Fürstengedachten theils durch Ungarn und Bulgarien, theils durch Italien undüber das adriatische Meer gegen Constantinopel zu ziehen, wo sie sichvereinigen wollten. Ehe sie aufbrachen, wälzten sich im Jahre 1096