Das oströmischc Reich bis zum Ende des elften Jahrhunderts.
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die Ehre durch knechtische Unterwürfigkeit. So lockert sich immer mehrdie Verbindung mit der ganzen Kirche und die stete Erneuerung desLebens in derselben kann ihre Wirkungen auf das Reich nicht erstrecken.Auch die Wissenschaft verdorrte in solcher Umgebung; da die Kraft derKirche gelähmt war, fehlte es an den sittlichen Antrieben, durch welcheder Bearbeitung der Wissenschaft eine Richtung angewiesen wird, unddurch welche man aus derselben Früchte für das Leben zieht. DieStelle der Wissenschaft wurde daher vertreten durch eine todte Gelehr-samkeit, die, von Einzelnen mit emsigem Fleiße gepflegt, die Kräfte desVolkes nicht steigerte und gleich der arabischen Gelehrsamkeit nur durchErhaltung dessen, was frühere Zeiten an das Licht gefördert hatten,wirksam wurde. Selbst die Geschichtschreibung entartet zu einer dürren,sittliche Gleichgültigkeit verrathenden Aufzeichnung, und während imWesten nach dem Schiffbruche, den die Wissenschaft durch die Völker-wanderung erlitten, der kahlen Verzeichnung der Begebenheiten in denChroniken wieder eine lateinische Geschichtschreibung folgt, sinkt diegriechische Geschichtschreibung inmitten einer unfruchtbar gewordenenWissenschaft zu den Chroniken herab. Wie daher schon bei dem Auf-treten des Islams das Christeuthum im Orient, von Sekten zerklüftet,der Kraft des Widerstandes entbehrt hatte, versank es auch in den ausjenem Sturm noch geretteten Ländern des oströmischen Reiches in eineErmattung, in welcher es von neuen aus Osten sich heranwälzendenFluten noch fernere Einbuße zu erleiden hatte.
2. Die Kaiserin Irene erhielt von Karl dem Großen, mit dem sieohne Ergebniß über einen Heirathsplan zur Verbindung der beidenKaiserreiche unterhandelt hatte, die Anerkennung der oströmischen Herr-schaft über das venetische Gebiet, das auch in einem Kriege mit KarlsSohn Pipin, dem Könige von Italien, behauptet wurde. Die von demKalifen Harun auferlegte Tributpflichtigkeit dauerte aber noch fort, alsNikephorus (802—811) durch Empörung an ihre Stelle getreten, undsie im Jahre 803 zu Lesbos, wo sie von Spinnerarbeit gelebt hatte,gestorben war. Zugleich blieben auf lange Zeiten hin die Bulgarengefährliche Feinde, während sie unter der slavischen Bevölkerung, diedas Land vorher durch den nach Süden gerichteten Strom slavischerVölkerwanderung erhalten hatte, slavisch zu reden anfingen. Als derneue Kaiser im Kampfe gegen die Bulgaren gefallen war, trat an seineStelle Michael I. Rhangabe, den schon im Jahre 813 mit Hülfe derTruppen Leo V. der Armenier verdrängte. Dieser kämpfte zwar glück-lich gegen Bulgaren, Omajaden und Aglabiden, riß aber das Reich inneue Verwirrung durch Erneuerung des Bilderstreites. Die Frage nachder Verehrung der Bilder erhielt ihre Bedeutung durch ihren Zusam-menhang mit dem Gegensätze von Ansichten über die Stellung des
Kiesel, Weltgeschichte. II.