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2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
Entstehung
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272 Das oströmischc Reich bis zum Ende des elften Jahrhunderts.

fällt, noch immer in trauriger Einförmigkeit fort. Während des Zeit-raumes vom Ende des achten bis zum Ende des elften Jahrhundertssieht es sich durch die Ausbildung des abendländischen KaiserthumS immerentschiedener von dem Einflüsse auf den Westen ausgeschlossen. DieReste seiner Herrschaft jenseits des westlichen Meeres schwinden dahin.Nach Nordwesten schmälert sich seine Wirksamkeit durch den Fortgangder Staatenbildung im westlichen Europa, durch welchen es zugleichvon dieser Seite her Sicherheit gewinnt. Nach Nordosten hat esKämpfe mit Völkern, die im Uebergange vom schweifenden zum seß-haften Leben, von der Wildheit zur Ordnung begriffen sind, fortzusetzen.Im Osten mindert die zunehmende Schwäche des Feindes die Gefahr,bis eine Umwälzung, die mit der abendländischen VölkerwanderungAehnlichkeit hat, dort neue kriegerische Kräfte gegen es in Bewegungbringt und ihm in Asien nur soviel Gebiet läßt, als es durch seineFlotten noch behaupten kann. Seine Vereinzelung und sein Zusammen-schwinden erklären sich daraus, daß die Negierung nicht vom christlichenGeiste durchdrungen ist, vielmehr unter dem christlichen Gewände vondem heidnischen Charakter der altrömischen Jmperatorenregierung nochVieles bewahrt. Sie steht den Völkern in dem Reiche fremd gegenüberals die Macht, die an ihnen zehrt. Die Kirche wird von der despo-tischen Gewalt verdorben und vermag nur wenig erziehende Kraftinnerhalb und außerhalb der Grenzen zu entwickeln. Die Stütze derHerrschaft sind die Heere, die sich aus rohen Völkern ergänzen. Die-selben entscheiden auch die Nachfolge noch zur Zeit, als im Westenüberall eine Nachfolge durch Wahl oder Vererbung zur Geltung zukommen anfängt. Die Wechsel der Herrschaft entspringen am häufigstenungezügelter Leidenschaft und sind dann von schaudererregender Grau-samkeit begleitet. Wenn alle diese Uebel nicht durch kirchlichen Einflußgebannt werden, so rührt es daher, daß die Kirche des Reiches derallgemeinen Kirche sich immer mehr entfremdet und unfruchtbar wirdgleich einem verdorrenden Aste an einem fruchtbaren Baume. Die Kaisersehen in dem Papste die Macht, die durch Begründung des abendlän-dischen Kaiserthums die oströmischen Ansprüche als unhaltbar verworfenhat, und die Despotie wehrt den kirchlichen Einfluß der Päpste ab, damitsie in ihrem Bereiche durch nichts beschränkt sei. Die Bischöfe desReiches, den Patriarchen der Hauptstadt an der Spitze, empfangen daszweideutige Geschenk einer vermeintlichen Selbstständigkeit, die dem Vor-ränge dieser in vorchristlicher und christlicher Zeit dem Abendlande aufdem Wege der Bildung vorausgeeilten Länder zu entsprechen scheint.Der Patriarch nimmt von dem Hofe geschützt eine Stellung, durch welcheer neben den Papst tritt, in Anspruch und mit Ausnahme der wenigenFälle, wo er vergeblichen Kampf gegen die Willkühr wagt, bezahlt er