264 Die Reiche der Moslcmen »nd das christliche Spanien
erwachte durch eine Pilgerreise nach Mekka zur Wißbegierdc und gewannauf der Rückkehr einen Lehrer, der die Bekehrung seiner Genossenunternahm. Langsam fand die Anleitung zu Ernst und Strenge desLebens Eingang, und als die Anhänger des hergcstelltcn Islam zahlreichgenug waren, begann ein Kampf mit den Nachbarn, den Bewohnernder Wüste wie der Städte. Die Bekehrten und die von ihnen Be-zwungenen heißen mit einem Namen, der die Thätigkcit für die SacheGottes bezeichnen soll, Morabethen oder Almoraviden. Der Vollenderdes Reiches ist Jussuf Ebn Taschfin, der das Reich der Edrisiden, sowiealle andern kleinen Reiche des nordwestlichen Afrika's vernichtete, dieHauptstadt Marokko gründete und im Jahre 1085 nach Eroberung vonCeuta oder Septum in die Angelegenheiten Spaniens cinzugreifenanfing.
8. Das über die ganze Welt des Islam verbreitete Schauspielder Zerstückelung des Reiches und des Wechsels der Dpnastieen wieder-holt sich in Spanien im Kalifate der Omajadcn. Hier aber erblicktman ein Ziel, welches dadurch erreicht wird, in geringer Entfernung.Während in den übrigen Thcilen des Reiches im Wechsel der Herr-schaften die Verwilderung steigt und einem neuen Einzug des Ehristcn-thumö die ihm einst entrissenen Länder sich immer fester zu verschließenscheinen, pflanzt sich in Spanien auf den Trümmern moslemischer Herr-schaft eine christliche an. Wie unfähig aber der Islam zur Hervor-bringung dauernder Bildungen ist, zeigt sich daran, daß selbst einehöhere Cultur, als eines der übrigen arabischen Reiche sic besessen, demKalifate von Cordova deren Schicksal nicht erspart. War in den übri-gen Ländern des Jölam die Bevölkerung, auf welche dessen Cultur ge-pfropft wurde, größtentheils zu roh, um das, was der Eroberer bietenkonnte, aufzunehmen und dem Eroberer selbst den Charakter eines Er-oberers abzustrcifen, so ward diejenige Cultur, die der Islam mit nachSpanien brachte, von der aus den vorhergehenden Zeiten hcrrührendenBildung der Einheimischen erhöht, und ein Eifer für höhere Zweckeentzündete sich in der Berührung mit den benachbarten christlichen Staa-ten. Zugleich ward der beständige Kampf, der von dem Norden derHalbinsel gegen die Moslemcn geführt wurde, eine Schule der Tapfer-keit nicht bloß für die Angreifeuden, sondern auch für diejenigen, diesich des nah und näher andringenden unermüdlichen Gegners zu er-wehren hatten. In dieser gegenseitigen Stellung fand ein vielfacherAustausch der Völker statt. Die fremden Beherrscher lernten, indem siedie Gegner achten mußten, unter dem Waffenhandwerk zugleich denForderungen der Menschlichkeit Genüge thun und die Ausübung derFeindseligkeiten im Einzelnen beschränken. Die wissenschaftliche Thätig-keit der Moslemen wirkte dagegen auf das ganze Abendland anregend.