262 Die Reiche der MoSlcmcn und das christliche Spanien
ihrer warte, erhielt in ihnen einen bis zur Raserei gesteigerten Eiferfür die Zwecke der Verbindung. Ihre hauptsächlichste Thätigkeit warder Mord, weshalb auch abendländische Sprachen ihren Namen alsBezeichnung von Mördern ausgenommen haben. Die Verwirrungen,welche die Ausbreitung der Seldschuken begleiteten, erleichterten ihreFortschritte. Sie bekamen eine Menge von festen Plätzen in Irak Ad-schemi in ihre Gewalt und wurden selbst den seldschukischen Fürstengefährlich, wie denn auch Malekschahs verdienter Vezir von ihrenDolchen fiel.
7. In Afrika gab die Eigenthümlichkeit der Berbern, die ungeachtetihrer Ähnlichkeit mit den alten Arabern doch von den seit der Erobe-rung fortgeschrittenen Arabern sich durch Beharren in dem alten Zustandeunterschieden, Gelegenheit zur Bildung von Parteien, die auch in reli-giöser Hinsicht den Islam veränderten. Rechtmäßige Dynastien:, religiösnicht vom Reiche getrennt und daher von den Kalifen anerkannt, warenbloß die ägyptischen Dynastieen der Thuluniden und Jkschididen. ImJahre 884 machte sich der ägyptische Statthalter Achmed Ebn Thulununabhängig und riß Syrien, Antiochia und Haleb cingeschlofsen, an sich.Schon sein jüngerer Bruder Harun unterlag den damals im Westennoch nicht ganz ohnmächtigen Kalifen. Bald aber, schon im Jahre 935,machte ein Statthalter Syriens, dem auch Aegypten übergeben war,Mohammed al Jkschid, sich ebenfalls unabhängig. Er war es, derHaleb an die Hamadaniden verlor. Unter seinen Nachkommen, die inKahira wohnten, kam die Herrschaft der That nach in die Hände ge-kaufter Sklaven, Mamlukcn genannt, welche den Kern der Heere bildetenund über die Thronfolge entschieden. Schon im Jahre 973 erlag dasReich der aus Westen vordringenden Macht der Fatimiden, welche schondie Herrschaften der Aglabiden und Edrisiden verschlungen hatte. Vonden unrechtmäßigen Dynastieen Afrikas war die älteste die der Edrisidenim äußersten Westen, die älteste aller Dynastieen nach der der Omajadenin Spanien. Schon unter Harun legte Edris, ein den Nachstellungendes Kalifen entgangener Abkömmling Ali's, den Grund zu einer Herr-schaft, die sich unter seinem Nachfolger über das ganze alte Mauretanienausdehnte und ihren Mittelpunkt in der neu gegründeten Stadt Fez er-hielt. Haruns Feldherr Ibrahim Ebn Aglab, zur Bekämpfung derEdrisiden nach Afrika gesandt, gründete von Kairwan aus einen unab-hängigen Staat, der bald den mittleren Theil der afrikanischen Nord-küste umfaßte. Heere von Sklaven machten diesen Staat für das süd-liche Europa furchtbar und schufen in seinem Innern endlose Verwirrun-gen. Die Aglabiden sind die Eroberer Siciliens und einzelner Gegendenin Italien, und um ihrer überseeischen Besitzungen willen wurde derSitz der Herrschaft von Kairwan nach Tunis verlegt. Die Herrschaft