258 Die Reiche der Moslemcn und das christliche Spanien
Eine große Sorge für den Landbau und eifrige Pflege der Wissen-schaften, besonders der Astronomie, wiesen den Samaniden eine höhereStellung an. In den Ländern, die das südliche Ufer des kaspischenMeeres umgeben, Dilem, Tabarestan und Dschordschan, hatte schon zurZeit der Thaheriden und Soffariden eine Familie geherrscht, die sich vonAli herleitete. Der Wechsel der Dynastieen gab ihrer Herrschaft größereAusdehnung nach Süden, bis das Emporsteigen, erst der Samaniden,dann der Buiden, sie beschränkte und ihnen zuletzt nur Dilem blieb, wosie bedeutungslos bis gegen das Ende des elften Jahrhunderts herrsch-ten. Sie heißen nach der Landschaft Dilem die Dilemiten, oder nachBen Ziar, der zu Anfang des zehnten Jahrhunderts ihr Haupt war,die Ziaden. Unter ihnen und neben ihnen erhoben sich die Buiden,Nachkommen Bujahs, die von den Sassaniden abzustammen behaupteten,zu Beherrschern von Irak Adschemi und Fars, wo Jspahan und Schirasihre Hauptstädte waren. Als um die Mitte des zehnten Jahrhundertsbei dem Kampfe, den die Führer der Söldner um die höchste Gewaltführten, der Kalif selbst nicht mehr sicher war, drang im Jahre 945der Buide Achmet in Bagdad ein, vertrieb die Türken und ließ sich vonAbdallah IV., dem siebzehnten Kalifen aus Haruns Nachkommenschaft,zum Emir al Omra ernennen. Seitdem blieb diese Würde, wenigeUnterbrechungen abgerechnet, im Hause der Buiden, die ihre Machtdurch Theilungen ihres Reiches schwächten, aber selbst neben der Dynastievon Gasna den westlichen Theil ihres Reiches noch behaupteten, biseine spätere Dynastie ihrer Herrschaft ein Ende machte. Auch sie ver-mochten es nicht, dem Kalifat, dessen Mittelpunkt in ihrer Gewalt war,Einheit wiederzugeben. Unter ihnen selbst brachen Streitigkeiten umden Besitz der ihnen verliehenen Gewalt aus, und da sie in diesenStreitigkeiten selbst wieder türkische Söldner in Dienst nahmen, ge-währte die Erblichkeit der höchsten Gewalt dem Reiche keinen Vortheil.Die beiden mächtigsten Dynastieen, die Samaniden und die Buiden,überstrahlte diejenige, durch welche beider Herrschaft ihr Ende fand, dievon Gasna. Gegen Ende des zehnten Jahrhunderts empörte sich im Reicheder Samaniden der zum Statthalter von Korasan eingesetzte Türke Alp-tekin und legte von der festen Stadt Gasna auö, die südwärts von Kabulliegt, den Grund zu einem großen Reiche. Seine Nachkommen, nachtürkischer Art Sultane genannt, beherrschten für kurze Zeit ein nicht nurdurch seine Ausdehnung, sondern auch durch den von den Eroberungenheimgebrachten Reichthum mächtiges und durch den Schimmer von Dich-tung und Gelehrsamkeit angesehenes Reich. Alptekinö Sohn Sebektckinund dessen Sohn Mahmud (999 —1031) dehnten ihre Herrschaft nachOsten bis tief in das Gangesland, nach Nordwesten über Chowaresmien,die Gegend zwischen dem Orus und dem kaspischen Meere, nach Süd-