Druckschrift 
2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
Entstehung
Seite
251
Einzelbild herunterladen
 

England und dcr Norden bis zum Ende des elften Jahrhunderts. 251

Knud, der nach des Vaters Tode seinem jüngeren Brndcr Harald dieNegierung von Dänemark überlassen, wieder in England erschien, mußteEchclreds Sohn Edmund, seiner Tapferkeit wegen Eiscnseite genannt,der glücklich gegen Knud gekämpft hatte und nach seines Vaters Todein London zum Könige ausgerufen worden war, dem Dänenkönige dasLand im Norden dcr Themse abtreten, und als auch er im Jahre 1016starb, kam das ganze Land in die Gewalt der Dänen. Knud ward inLondon als König anerkannt und vermählte sich mit Ethelreds Wittwe.Dazu erhielt er im Jahre 1018 durch seines Bruders Tod auch Däne-mark. Ihm fiel endlich die Herrschaft über das gesammte Norwegen zu.Hier hatte ein Urenkel von Harald Haarfagr, Olav dcr Heilige, eineifriger Christ, sich als König erhoben und gegen Schweden und Däne-mark behauptet, auch die Orkneyinseln und die Färöer erobert, selbstIsland zum Tribut gezwungen. Ihn griff Knud wegen der Hülfe, dieer angelsächsischen Flüchtlingen geleistet, an und nahm, nachdem der-selbe in einer Schlacht gefallen, sein Reich in Besitz, wie schon früherdurch Eroberung dcr Jomsburg ein Theil dcr slavischcn Küste von ihmabhängig geworden war.

6. Die Verbindung der drei Reiche England, Dänemark nndNorwegen entschied im Norden den Kampf des Christenthums mit demHeidenlhum, dcr um so langsamem Verlauf hatte, als hier nicht, wieeinst im römischen Reiche, die Bekehrung der Herrscher den Sieg desChristenthums vollendete, sondern nur den Angriff ans das Heidenthumbegann. Das christliche England war ungeachtet seines Verfalls nochreich genug an geistiger Kraft, um den neuen König, der bisher, obgleichnach seines Vaters Tode getauft, heidnische Rohheit behalten hatte, ineinen Christen umzuwandeln und ihm die Mittel zur Befestigung desChristenthums in seinen beiden andern Neichen zu liefern. Die nordischeKirchenverfassung ward jetzt begründet, und da in Folge der vonDeutschland aus begonnenen Bekehrung Bremen die Metropole desNordens geworden war, umfaßte dessen Bezirk in den Zeiten des Erz-bischofs Adelbert nicht allein Dänemark, Norwegen, die Orkneyinseln,die Färöer und Island, sondern auch das allmälig dem Christenthumsich öffnende Schweden und das von Island aus entdeckte Grönland.Mit den Fortschritten des Christenthums ergab sich jedoch im Laufedieses und des nächsten Jahrhunderts die Nothwendigkeit, für die dreinordischen Reiche besondere Metropolen zu errichten, zu welchen Lund fürDänemark, Upsala für Schweden, und Nidaros, das spätere Drontheim,für Norwegen gewählt wurden. England aber verdankte dem KönigeKnud, der wegen seiner schaffenden und ordnenden Thätigkeit denNamen des Großen erhalten hat, die Wiederkehr von Alfreds undEdgars Zeiten. Die nahen Beziehungen, in welchen das Land zu Nom