240
Frankreich bis zum Ende des elften Jahrhunderts.
l
i.
*
allgemein geläufig geworden war, doch der neue Träger derselben ver-mochte deren Bedeutung nicht zu erhöhen. In Francien verschaffte ihmzwar der während seiner Minderjährigkeit für ihn regierende GrafBalduin V. von Flandern Gehorsam, aber nach dessen Tode, der imJahre 1067 erfolgte, war der König eigenen Lüsten und schlechten Nath-gebern überlassen. Habsucht, welche ihn zur Beraubung der Kirchenführte und ihn die Simonie auf's Höchste treiben ließ, richtete auchgegen ihn die Waffen der an der Reform der Kirche arbeitenden Päpste.Zugleich rief er durch Trennung von seiner Gemahlin und unrechtmäßigeneue Verheirathuug kirchliches Einschreiten hervor. Fremd den Regungender Zeit, welche die Blicke der Besseren unter dem thatenlustigen Adelauf einen Kampf für die Kirche jenseits der Pyrenäen und jenseits desMeeres richtete, stand er dem für innere Besserung der Kirche sichmächtig erhebenden Papstthume als ein zügelloser Mensch, wie Hein-rich IV., gegenüber, ohne dessen Beweglichkeit zu besitzen und ohne, wieer, Unterstützung im Lande zu finden. Nachdem ihn ein Concilium zuAutun oder Augnstoduuum, das der Erzbischof von Lyon im Jahre 1094im Aufträge Urbans II. hielt, mit dem Banne belegt hatte, wiederholteUrban den Ausspruch auf dem Concilium zu Clermont in Auvergne imJahre 1095. Hier wurde auch für Frankreich der Jnvestiturstreit dahinentschieden, daß der König auf die Belehnung mit Ring und Stab ver-zichtete, die Bischöfe zwar die Güter der Kirche aus der Hand desKönigs empfangen, aber nicht den Eid der ligischen Treue, welcher zurbewaffneten Unterstützung eines Lchensherrn verpflichtete, leisten sollten.Der König versöhnte sich erst im Jahre 1104 vor einem Concilium zuParis, wo er als Büßender erschien, mit der Kirche und hinterließ, alser im Jahre 1108 starb, die Herrschaft einem Sohn, der bereits dieAchtung des Landes gewonnen hatte, und mit welchem eine neue Zeitfür Frankreich begann. Indessen hatte sich im Süden das HerzogthumAquitanien, da Wilhelm VIII. das Herzogthum Gascogne oder Vas-konien damit verbunden, bis an die Pyrenäen erweitert und neben dem-selben bildete sich ein neuer mächtiger Staat, indem die Grafschaft Tou-louse oder Tolosa, deren Inhaber schon seit Karl dem Kahlen densüdöstlichen Theil Aquitaniens besessen hatten, in der zweiten Hälfte deselften Jahrhunderts durch Erlöschen verwandter Vasallengeschlechter sichüber das alte Septimanien und über die Rhone in das arelatische Reichhinein über die Grafschaft Provence oder Provincia ausdehnte. ImNorden war der mächtigste Vasall, Herzog Wilhelm von der Normandie,im Jahre 1066 zum Könige eines Reiches jenseits des Meeres, desangelsächsischen Reiches, mit dessen letzten Königen er verwandt war,emporgestiegen, da Papst Alexander II. sein Recht auf die dortige Nach-folge anerkannt hatte.