Frankreich bis zum Ende des elfte» Jahrhunderts. ZZg
erreichbaren völligen Friedens einen teilweise», einen Waffenstillstand,Trcuga Dei, zu setze», wonach vom Abend jedes Mittwochs bis zum Morgendes Montags und außerdem in den besonders heiligen Zeiten des Jahres, inder Adventzeit und in der Fastenzeit, jede Fehde ruhen, sowie für alle Geist-lichen , die nicht Waffen trugen, für alle Mönche und Nonnen, für dasGebiet der Kirchen aber ein beständiger Frieden gelten sollte. Diese Einrich-tung fand im Süden Frankreichs und in Burgund Eingang, ließ sich aberin Fräncicn so wenig, als in Deutschland, einführen. Wie tief die Ge-müther von der allgemeinen Noth und von dem Bewußtsein eigener Schuldergriffen waren, zeigte sich auch an dein zunehmenden Bemühen, durch gute,dem eigenen Seelenheile und dem Gedeihen der Kirche förderliche Werkesich dem Bereiche der Gewaltthätigkeit zu entziehen oder begangenes Un-recht zu sühnen. So vermehrten sich die seit langer Zeit gebräuchlichenWallfahrten nach Jerusalem, und der Zug, der einst die ersten Normannennach Italien geführt und dort ihrer Kampfeslust ein neues Feld geöffnethatte, führte Tausende in die Ferne zu Ucbungen der Frömmigkeit oderzu neuen bei solchem Anlasse entdeckten Gelegenheiten des Kampfes. DenNormannen, deren Herzog Robert H. selbst auf der Rückkehr von einerWallfahrt nach Jerusalem zu Nicäa starb, ward die Auswanderung nachItalien, wo sich ein Feld des Kampfes gegen Feinde des Christenthumsvor ihnen aufthat, ein Mittel, dem Zuge der Frömmigkeit und demZuge der Kampfeslust zugleich zu folgen. Eine gleiche Gelegenheit botVielen der jenseits der Pyrenäen von den christlichen Königen gegen dieSaracenen geführte Kampf, und in dem Drange nach verdienstlicherenKämpfen, als die zerrüttenden Kämpfe in der Heimath waren, erwachtedas Andenken Karls des Großen als des ersten christlichen Kämpfersgegen die Saracenen, so daß die dichtende Einbildungskraft seinen raschvorübergegangenen Krieg zu einem großen Kriege voll von Heldenthatenund Martyrerthum ausdehnte. Unter denen aber, die imstande blieben,suchten Viele gegenüber dem Unhcile, das sich täglich erzeugte, dasWohl der Menschheit durch Gründung und Ausstattung von Kirchen undKlöstern zu fördern, mochten sie nun, wie Wilhelm V. von Aquitanien,einer fest begründeten Frömmigkeit folgen, oder, wie Fulko von Anjou,von dem unruhigen Bewußtsein verübten Frevels zu Handlungen derMilde getrieben werden, um bald wieder der Gewalt ungezügelterLeidenschaft anheimzufallen.
7. Auch unter Heinrichs Sohn und Nachfolger Philipp (1060—1108)konnte sich die königliche Würde nicht erheben und der öffentlicheZustand nicht bessern. Der Glanz der Versammlung geistlicher undweltlicher Großen zu Rheims, durch welche Heinrich ihn im Jahre 1059als seinen Nachfolger hatte anerkennen lassen, zeigte zwar, daß der Ge-danke an eine in der Familie der Kapetinger forterbende Königswürde