Das deutsche Reich bis zum Ende des elften Jahrhunderts. 223
der kanonischen Anordnungen zeige. Da dieser hierauf keine befrie-digende Erklärung gab, luden die Legaten des PapstcS ihn unter An-drohung des Bannes zur Verantwortung nach Nom. Hierauf beriefHeinrich im Jahre 1076 eine Kirchcnvcrsammlnng nach Worms, welche,da sie meistens aus Bischöfen von seiner Partei bestand, ein Absctznngs-urtheil über Gregor ausfprach, worauf eine durch Heinrichs Abgeordneteberufene Versammlung italischer Bischöfe zu Placentia dem Papstegleichfalls den Gehorsam aufsagte. Wegen dieses Angriffes auf dieKirche belegte Gregor auf einem zu Rom gehaltenen Concilium denKönig nebst denjenigen unter den Bischöfen, die sich am stärksten ver-gangen hatten, mit dem Banne, wovon eine nothwendige Folge war,daß er ihm auch die Fortsetzung der Regiernngsgeschäfte untersagte.Nachdem die Sache so weit gekommen war, standen die süddeutschenHerzoge dem Könige, der nach Besiegung der Sachsen wieder zu jederWillkühr geneigt schien, feindlich gegenüber. Heinrich wollte auf einerabermaligen Versammlung von Bischöfen zu Worms einen neuen Papsternennen, mußte aber davon abstehen, da ein Theil der gebanntenBischöfe sich auf die von dem Papste gestellten Bedingungen durch denLegaten desselben vom Banne lösen ließ. Dagegen versammeltesich ohne Berufung des Königs ein Reichstag zu Tribur. Es kam dieZerrüttung des Reiches und der Kirche, sowie die Schuld, die Heinrichdaran hatte, zur Sprache, und es war dem Wirken der päpstlichenLegaten zuzuschrciben, daß man nicht zu einer neuen Königswahl schritt,vielmehr den Papst zu einem Reichstage nach Augsburg einlud und demKönige auftrug, wenn er seiner Würde nicht verlustig gehen wolle, inJahresfrist seine Lösung vom Banne zu erwirken. Da die Fürsten dieVersöhnung Heinrichs mit dem Papste nicht ernstlich wünschten, wollteer ihnen zuvorkommen und den Papst in Italien anfsuchen. Man be-setzte, um ihn zu hindern, von Deutschland ans die Alpenpässe und sonahm er den Weg durch Burgund über den Cenisius, wobei ihn seineGemahlin begleitete. Er traf den Papst im Jahre 1077 auf demSchlosse Canossa, das in dem jetzt von Mathilden regierten Gebiete derMarkgräfin Beatrix lag. Er unterwarf sich den von den Papste auf-erlegten Bußübungcn und erhielt am vierten Tage die Lossprechunggegen die Zusage, die von dem Papste gerügten Mißbräuche abzustellen,sich von seinen schlechten Nathgebern zu trennen und bis zu dem Reichs-tage, auf welchem nach der von dem Papste bereits genehmigten Ueber-einkunft seiner Legaten mit den Fürsten, die Klagen der letzter» unter-sucht werden sollten, sich der Negierung zu enthalten. Heinrich, derVersprechungen nur im Drange der Noth gab und, wie ihm die Um-stände günstig wurden, in seinem Handeln so weit, als er Macht hatte,ging, sah sich bald nach dem in Canossa Erlebten in einer Umgebung,