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2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
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Das deutsche Reich bis zum Ende des elfte» Jahrhunderts. 217

16. Hatte die Art, wie Heinrich im Reiche und in der Kirchegewaltet, für einen Nachfolger von minderer Tüchtigkeit große Schwierig-keiten bereitet, so steigerten sich dieselben dadurch, daß sein Sohn Hein-rich IV. (10561106) bei seinem Tode erst sechs Jahre alt war, undauf die kräftigste Handhabung der Herrschergewalt die Schwäche einervormundschaftlichen Negierung folgte, der Heranwachsende König aber insittliche Zügellosigkeit gerietst und in selbstsüchtigem, willkührlichem, halt-losem Handeln den Ausbruch der unvermeidlichen Kämpfe beschleunigte.Der von Heinrich beabsichtigte Aufbau einer unbedingten Herrschcrgewaltwurde, als die Kraft zum Fortbau schwand und die Absicht des Miß-brauches hervortrat, vereitelt, und die Kirche erhob sich aus einem Ver-derben, das die Verwicklung des Klerus in die weltlichen Angelegen-heiten ihr bereitet hatte, und das gerade die neue Negierung in's Unge-heure zu steigern im Begriffe war. Die Kaiserin Agnes führte anfänglichfür ihren Sohn die Regierung. Gottfried der Bärtige wurde versöhnt,indem er Gattin und Tochter zurückerhielt. Die Herzogthümer Ale-mannien und Kärnthen verlieh Agnes unter nöthigenden Verhältnissenso, daß sie nun erbliche Herzogthümer wurden. Alemannien erhielt GrafRudolf von Rheinfelden, der Heinrichs Schwester auS der Obhut desBischofs von Constanz gewaltsam entführt hatte. Um aber den aleman-nischen Grafen Berthold von Zähringen, dem schon Heinrich III. Hoff-nung auf das Herzogthum gemacht hatte, zu beschwichtigen, gab sieihm Kärnthen, wo mit Herzog Welf eben eines der mächtigsten ale-mannischen Grafengeschlechter ausgcstorben war. Einen ferneren Schrittrückwärts von dem Ziele, das Heinrich III. verfolgt hatte, that sie, in-dem sie den sächsischen Grafen Otto von Nordheim in ihr HerzogthumBaiern einsetzte. Die Hoffnung, an den drei von ihr ernannten Herzogeneine Stütze zu finden, verwirklichte sich indessen nicht. Denn da ihrevormundschaftliche Regierung durch Schwäche und Nachgiebigkeit Unzu-friedenheit unter den Großen erregte und die einen, um für UebelständeAbhülfe zu finden, die andern, um selbst zu größerem Einfluß zu gelan-gen, einem Plane, den jungen König von seiner Mutter zu trennen,beitraten, fand Otto sich unter den Anhängern des Planes, während diebeiden andern sich nicht widersetzten. Der Plan wurde von ErzbischofHanno von Köln, einem strengen und einsichtigen Manne, geleitet, der imJahre 1062 den jungen König von Kaiserswerth entführte. Die Kaiserinzog sich von den Geschäften zurück und ging einige Jahre später nachItalien, wo sie den Nest ihres Lebens zubrachte. Hanno, an der Spitzeder Neichsverwaltung, mußte eine Menge von Ansprüchen durch Ver-gebungen aus dem Neichsgut befriedigen und gelangte nicht dazu, einenwirklichen Einfluß auf den jungen König auszuüben, dessen alle Schrankenscheuender Sinn von dem Ernste des Erzbischofs abgestoßen wurde. Bald