216 Das deutsche Reich bis zum Ende des elften Jahrhunderts.
Aversa, die Nainulf, als denen aus Apulien, die Drogo's Bruder undNachfolger Humfred und der Halbbruder Robert Guiökard führten, beiCivitella in Apulien, wurde geschlagen und gerieth in die Gefangenschaftseiner Feinde. Doch diese, die jüngst noch Alles mit Schrecken erfüllthatten, beugten sich in Ehrfurcht vor dem Oberhaupte der Kirche undgeleiteten ihn nach Benevent. Hier belehnte er sie, die schon vor demKampfe sich ihm zu Lehensleuten angeboten hatten, mit den gemachtenEroberungen, sowie mit denen, die sie gegen Oftrömer und Saracenennoch machen würden, wobei er jedoch die von dem Kaiser ihm über-lassene Stadt Benevent sich vorbehielt. Es war ein Verhältniß einge-treten wie damals, als die oströmische Herrschaft im größten ThcileItaliens vor den Longobarden zusammeubrach. Es lag im Vortheileder alten und der neuen Bevölkerung, daß Jemand in dem Gewirre,das die Bildung der neuen Verhältnisse begleitete, ein Ansehen besaß,wodurch alte Ordnung gerettet und neue gegründet werden konnte.Indem der Papst die Normannen mit dem südlichen Italien belehnte,gab er dem, was nicht zu hindern war, seine Anerkennung unter Be-dingungen, wodurch die ungestümen Söhne des Nordens der christlichenWeltordnung einverleibt wurden. Hierfür aber bildete die Belehnungnach den Verhältnissen der Zeit ebenso die naturgemäße Form, wie siees für die Madscharen gewesen war. In den Normannen waren nunVorkämpfer gegen die beiden Feinde der abendländischen Christenheit,die schismatischen Oströmer und die ungläubigen Saracenen, gewonnen.Auch bildeten sie für die Sicherheit des Papstes gegen Gewalt denjenigenRückhalt, der für den Fall nothwendig war, daß seinen Bemühungenum Herstellung einer der Kirche gebührenden Unabhängigkeit die welt-liche Macht entgegentrat. Zugleich entstand nördlich von Nom einLändergebiet, welches in der Folge ein Schutz für den Papst werdenkonnte. Unter den weltlichen Großen Italiens waren neben den Mark-grafen von Jvrea und Susa die Markgrafen von Tuscien am bedeu-tendsten, die durch die Größe ihrer Lehen und eignen Besitzungen soreich waren, daß Bonifacius, der damalige Markgraf, ein Gegenstandder Besorgniß und Eifersucht für Kaiser Heinrich war. Dieses Vcr-hältniß trieb von selbst zu einem Gegensätze gegen den Kaiser und dieSpannung schär/te sich, als im Jahre 1052 Gottfried der Bärtige, derim Jahre 1048 wegen Empörung gegen den Kaiser seines HerzogthumsOberlothringen entsetzt worden war, mit Leo IX. nach Italien gingund sich im Jahre 1054 mit Beatrix, der Wittwe des im Jahre 1052verstorbenen Bonifacius, die eine Tochter eines früheren Herzogs vonOberlothringen war, vermählte, der Kaiser aber die Beatrix mit ihrerTochter Mathilde, die er unter freiem Geleite an seinen Hof hatte kommenlassen, in Deutschland als Geisel für die Treue ihres Gemahls festhielt.