Druckschrift 
2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
Entstehung
Seite
212
Einzelbild herunterladen
 

212 Das deutsche Reich bis zum Ende des elften Jahrhunderts.

land drohende Nebel brachte bei vielen höheren und niederen Geistlichenauch eine ungeistliche Lebensweise hervor. Außer der Ausgelassenheitund Zügellosigkeit des Lebens, wovon auch Geistliche nicht selten ergriffenwurden, trat störend der Kirche die vielfache Uebertretung des Gesetzesentgegen, durch welches sie von alter Zeit her die Ehelosigkeit der Geist-lichen forderte. Schon unter den sächsischen Kaisern hatten päpstlicheAufforderungen, Festsetzungen von Concilien, kaiserliche Verordnungenauf die Herstellung des Cölibatö gedrungen, ohne daß das Nebel ge-wichen wäre. Die Verwicklung in weltliche Angelegenheiten führte zuder Uebertretung des Cölibatgesetzes, und diese war, indem Rücksichtauf die gegründeten Familien das Verlangen nach Besitz und Macht er-höhte, wieder Ursache für fortschreitende Verweltlichung.

14. Heinrich III. (10391056) war der Erbe von seines VatersPlänen und Bestrebungen, zu deren Verwirklichung er auch des Va-ters Kraft und Klugheit besaß. Doch während er so, auf der Vorge-fundenen Grundlage sortbauend, die Hcrrschermacht in Deutschland aufden höchsten Gipfel erhob und mit nicht minderem Nachdruck sein An-sehn in den Nebenlanden geltend machte, lieh er vermöge eines strengreligiösen Sinnes seinen mächtigen Arm auch der Herstellung der Ord-nung in der Kirche, und wenn er hier in der seit Otto I. begonnenen,dem Geiste der Kirche nicht entsprechenden Weise durch Machtgebotschaltete, so hat er es doch in einer solchen Richtung gcthan, daß erdadurch gerade der Kirche die Kraft verschaffte, sich im Innern zu er-neuern und gegen Herrscher, die ihre Gewalt nicht in gleich heilsamerRichtung verwandten, den Kampf für ihre Selbstständigkeit zu bestehen.Zuerst hatte er gegen die Böhmen zu ziehen, deren König Brzetiölaw,Ulrichs Sohn, in Polen während der Minderjährigkeit des auf Mies-zpslaw II. gefolgten Kasimir eingebrochen und bis Krakau und Gnesenvorgedrungcn war. Bis zum Jahre 1042 waren die Böhmen mit zweiFeldzügen zur Ruhe gebracht. Ihr König mußte neu huldigen, und dieBildung einer großen slavischen Macht im Osten, wie sie durch fort-dauernde Siege Böhmens über Polen sich gebildet hätte, war verhindert.Daran schloß sich ein ungarischer Feldzug. In Ungarn war auf Stephansein Schwestersohn Peter gefolgt, und dessen Grausamkeit hatte der nochnicht vertilgten Partei des Heidenthumö die Kraft gegeben, an seineStelle Stephans Schwager Aba zu setzen. Obgleich Peter die Böhmengegen die Polen unterstützt hatte, mußte er doch jetzt Heinrichs Hülfesuchen, und dieser unternahm den Krieg, der für die deutsche Oberhoheitund für das Bestehen des Christenthums zugleich geführt wurde, und indem Brzetislaw ihn unterstützte. Auch hier waren zwei Feldzüge biszum Jahre 1044 erforderlich, ehe Heinrich den Peter zu Stuhlweißen-hurg in seine Würde wiedereinsetzen und das bairische Recht im Lande